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5-Jahres-Statistik der Notrufnummer 147 zeigt: Verdreifachung der Kriseninterventionen und 50 Prozent mehr Anfragen zum Thema Suizid

5-Jahres-Statistik der Notrufnummer 147 zeigt: Verdreifachung der Kriseninterventionen und 50 Prozent mehr Anfragen zum Thema Suizid
Jahresstatistik Notrufnummer 147, Kriseninterventionen und Anfragen zum Thema Suizid / Weiterer Text über ots und www.presseportal.ch/de/nr/100019486 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Pro Juventute"

Zürich/Lausanne (ots) - 160'000 Mal wendeten sich Kinder und Jugendliche im letzten Jahr an die kostenlose und vertrauliche Beratung + Hilfe 147 von Pro Juventute. Die heute veröffentlichten Zahlen zeigen: das 70-köpfige Beratungsteam erhielt 2015 deutlich mehr Anfragen zu schwerwiegenden persönlichen Problemen als noch vor fünf Jahren. Jeden Tag wenden sich zwei bis drei Jugendliche mit ernsthaften Fragen zum Thema Selbsttötung und teils ganz konkreten Absichten an die Notrufnummer 147. Die Anfragen zum Thema Suizid haben dabei seit 2011 um 50 Prozent zugenommen. Zudem waren deutlich mehr Kriseninterventionen nötig. Während im Jahr 2011 27 Mal Ambulanz, Polizei oder psychiatrische Dienste aufgeboten werden mussten, um Kindern und Jugendlichen in akuten Notsituationen zu helfen, waren es 2015 bereits 94 Kriseninterventionen.

Durch den täglichen intensiven Kontakt zu Kindern und Jugendlichen erfährt das Team der Notrufnummer 147 hautnah, welche Themen Kinder und Jugendliche in der Schweiz beschäftigen. Im Vergleich über die letzten 5 Jahre zeigen sich deutliche Veränderungen: am stärksten zugenommen haben Anfragen zu persönlichen Problemen (2015: 22,9% aller Anfragen, 2011: 15.5%). Dabei insbesondere Themen wie psychische Erkrankungen und depressive Stimmung, Essstörungen, persönliche Krisen oder das Selbstwertgefühl. Und auch Anrufe von Jugendlichen zum Thema Suizid nahmen in den letzten Jahren kontinuierlich zu auf fast 1'000 Jugendliche in 2015 - das sind jeden Tag zwei bis drei Jugendliche und gegenüber 2011 eine Zunahme um mehr als 50% (2015: 953 Anrufe, 2011: 617). 94 Mal mussten die Beraterinnen und Berater gar unmittelbare Kriseninterventionen via Polizei, Ambulanz oder psychiatrische Dienste auslösen, da das Leben oder die Gesundheit eines Kindes oder Jugendlichen akut gefährdet war. Das ist eine Verdreifachung an Kriseninterventionen seit 2011 (2011: 27 Interventionen, +248%).

Jugendliche holen sich heute schneller Hilfe

«Hallo, ich fühl mich ide familie usgschlosse und au bi fründe. Dän chömed mir mängisch gedanke über selbstmord. Isch das normal?» - Probleme und Sorgen wie das Gefühl dieser 14-Jährigen, Aussenseiterin zu sein, belasten viele Kinder und Jugendliche schwer, wie die Zahlen gezeigt haben. Umso wichtiger, dass sie wissen, an wen sie sich wenden können. «In den letzten Jahren wurde das Angebot an Hilfestellungen stetig erweitert. Es scheint heute normaler und akzeptierter, sich Rat oder Hilfe zu holen», erklärt Thomas Brunner, Leiter Beratung bei Pro Juventute. Viele Ratsuchende, die sich an das Team von Pro Juventute wenden, stecken in einer tiefen Krise und sind auf unmittelbare Hilfe angewiesen. «Die Zunahme von eigentlichen Notrufen ist ein Zeichen dafür, dass Jugendliche wissen, wo sie sich Hilfe holen können - und dass sie sich auch wirklich Hilfe holen. Im äussersten Fall sogar in Form einer Krisenintervention.»

Zu Liebe und Sexualität suchen Jugendliche eher Hilfe im Netz

Weniger Unterstützung suchen die Jugendlichen dagegen rund um das Thema Sexualität (2015: 15,2% aller An-fragen, 2011: 22,4%) und Liebe (2015: 10,6%, 2011: 14,8%) - zum Beispiel bei Fragen zur Partnersuche, erste Liebe, Verhütung, zu Petting oder Geschlechtsverkehr. «Denn», wie Thomas Brunner erklärt, «bei einer Frage suchen wir Heute alle im ersten Schritt im Netz nach Antworten. Und da alles rund um Liebe und Sexualität die meisten Teenager beschäftigt, findet sich dazu viel an Information im Netz. Schwere persönliche Probleme lassen sich dagegen nicht mit allgemeinen Antworten lösen. Hier suchen die Jugendlichen die Empathie und Anteilnahme des Gegenübers, welche zum Beispiel in einer persönlichen Beratung bei 147 gegeben ist.»

Kostenlose und professionelle Unterstützung für Kinder und Jugendliche

Rund um die Uhr können sich Hilfe suchende Kinder und Jugendliche kostenlos und vertraulich an die professionellen Beraterinnen und Berater von Pro Juventute wenden. Diese sind per Telefon 147, SMS (an die Zielnummer 147), E-Mail (147@projuventute.ch), Chat oder Web-Self-Service (www.147.ch) in den drei Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch erreichbar. Anrufe oder SMS auf die Notrufnummer 147 erscheinen auf keiner Telefonrechnung.

Hoher Spendenbedarf

Die Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 finanziert sich hauptsächlich aus Spenden aus der Bevölkerung und der Unterstützung durch Wirtschaft und Politik. Bund und Kantone übernehmen je etwa einen Fünftel der Kosten. Die Differenz wird finanziert durch private Spenderinnen und Spender, Unternehmen wie die Migros, die während der Adventszeit Spenden von Kundinnen und Kunden sammelte, oder Stiftungen wie die Eurosanto Stiftung, die vergangenen Dezember die Zuwendungen von privaten Spenderinnen und Spendern verdoppelt hatte. Sie alle leisten damit einen wesentlichen Beitrag, Kindern und Jugendlichen diese wichtige Anlaufstelle auch in Zukunft rund um die Uhr und in drei Landessprachen anbieten zu können.

Für weitere Informationen und Interviews:

Pro Juventute, Thomas Brunner, Leiter Beratung 
Pro Juventute, Ingo Albrecht, Leiter Kommunikation
Tel. 044 256 77 69, E-Mail: ingo.albrecht@projuventute.ch

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