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Pro Juventute lanciert landesweite Mobilisierungskampagne für mehr öffentlichen Raum für Kinder

Pro Juventute lanciert landesweite Mobilisierungskampagne für mehr öffentlichen Raum für Kinder
Kampagnen-Poster «Freiraum - mehr Platz für Kinder» / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung unter Quellenangabe ©Pro Juventute / Weiterer Text über ots und www.presseportal.ch/de/nr/100019486

Zürich / Bern (ots) - Die grösste Schweizer Kinder- und Jugendorganisation schlägt Alarm: In der Schweiz gibt es immer weniger kinderfreundliche Räume. Gemäss einer aktuellen Vergleichsstudie für Deutschland haben bereits mehr als 4 von 10 Kindern in ihrem Wohnumfeld keine Möglichkeit mehr für freies, unbeaufsichtigtes Spiel. Die Situation in der Schweiz ist laut Erfahrungswerten die gleiche. Fehlen Orte, an denen sich Kinder austoben und eigene Erfahrungen machen können, hat dies weitreichende Folgen für die kindliche Entwicklung. Das Problem: der öffentliche Raum ist für Kinder heute oft verboten. Spiel- oder Schulhofplätze sind zugesperrt, aus Angst vor möglichen Gefahren müssen Kinder drinnen bleiben und in der Gemeindeplanung gehen ihre Bedürfnisse vergessen. Das ist besonders für Kinder aus sozial benachteiligten Familien fatal, die oft in einem Wohnumfeld leben, in dem sie keinen Garten zum Spielen haben. Um Kindern vermehrt Zugang zu Freiräumen zu erschliessen und die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren, lanciert Pro Juventute heute Mittwoch auf dem Bundesplatz in Bern gemeinsam mit über 300 Kindern die nationale Kinderkampagne 'Freiraum - mehr Platz für Kinder'. Teil der Kampagne ist die kostenlose Kinder-App «Mehr Platz für dich!», mit der Kinder ihre Umgebung draussen entdecken können.

Mit der Forderung «Mehr Platz für uns! Kinder haben das Recht darauf, unsere Welt mitzugestalten» lanciert Pro Juventute heute auf dem Bundesplatz in Bern eine landesweite Mobilisierungs- und Sensibilisierungskampagne. Dazu starteten über 300 Kinder eine Schnitzeljagd durch die ganze Schweiz, welche Kinder aus allen Kantonen zu kinderfreundlichen Plätzen im öffentlichen Raum führen wird. «Wir wollten heute mit unserer Aktion auf dem Bundesplatz ein Zeichen setzen», hält Pro Juventute-Direktor Robert Schmuki fest. «Wichtige Lektionen des Lebens lernen Kinder nicht im Klassenzimmer, sondern draussen auf dem Pausenplatz und auf dem Schulweg. Dazu brauchen Kinder aber Platz im öffentlichen Raum.» Mit der Aktion will Pro Juventute die Dringlichkeit des Themas aufzeigen. Dr. Sven Goebel, Bereichsleiter Freiraum und Partizipation bei Pro Juventute, dazu: «Die Tragweite der negativen Auswirkungen wird gemeinhin unterschätzt. Freiräume sind für die gesunde psychische, physische und soziale Entwicklung von Kindern absolut grundlegend. Ausdauer, Beweglichkeit, Koordinations- sowie Wahrnehmungs- und Konfliktfähigkeit, Selbstwert- und Mitgefühl können Kinder nur dann entwickeln, wenn sie den Freiraum erhalten, draussen zu spielen und eigene Erfahrungen zu machen.» Genau diesen Freiraum sieht Pro Juventute zunehmend gefährdet. Gründe sind eine vermehrte Verbotskultur gegenüber Kindern, ein steigendes Sicherheitsbedürfnis und die Vernachlässigung der Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen in der Gemeindeplanung. Eine aktuelle Studie zeigt für Deutschland, dass bereits 4 von 10 Kindern in ihrem Wohnumfeld kaum Möglichkeit mehr haben für freies, unbeaufsichtigtes Spiel. Die Situation in der Schweiz ist laut Erfahrungswerten die gleiche. Mit der landesweiten Kinderkampagne 'Mehr Platz' will Pro Juventute daher den Kindern Zugang zu öffentlichen Plätzen verschaffen und die Bevölkerung für die Problematik sensibilisieren. Auf der Onlineplattform www.projuventute.ch/freiraum finden Kinder, Eltern, Lehr- und Fachpersonen Informationen und Materialien zum Thema.

Fehlender Freiraum hat schwerwiegende Folgen für die kindliche Entwicklung

Mit Freiräumen sind öffentliche und private Bereiche in und ausserhalb von Gebäuden gemeint, die für Kinder frei zugänglich sind. Diese Räume werden wegen der städtischen Verinselung, der Zunahme des Verkehrs, der Verdichtung des Wohnraums, zunehmender Einschränkung des Zugangs zu öffentlichen Räumen und einem höheren Sicherheitsbedürfnis immer rarer. Mit schwerwiegenden Folgen für die Entwicklung von Kindern. Bereits heute sind rund ein Fünftel aller Schulkinder in der Schweiz übergewichtig . Zudem haben viele Kinder Mühe, einen Ball aufzufangen, auf einer Mauer zu balancieren oder auf einen Baum zu klettern. Bei 77% aller kindlichen Unfälle sind denn auch motorische Defizite der grösste Risikofaktor . Sven Goebel führt aus: «Haben Kinder Raum, sich frei zu bewegen, kreativ zu sein und eigene Erfahrungen zu sammeln, können sie ganz wichtige Entwicklungsschritte machen, ein gesundes Selbstvertrauen und ein gutes Körpergefühl aufbauen und wichtige Kontakte zu andern Kindern knüpfen. Wird dieser Raum immer rarer oder geht er in gewissen Quartieren gar ganz verloren, ist dies für die kindliche Entwicklung in vielerlei Hinsicht fatal.»

Freiraum - ein Kinderrecht

Mit der heute lancierten Kampagne fordert Pro Juventute ein Recht ein, über das Kindern gemäss UN-Kinderrechtskonvention (KRK, Artikel 31) verfügen: Das Recht auf freies Spiel. Dazu braucht es den entsprechenden Platz im öffentlichen Raum und eine kindgerechte Planung, Gestaltung und Pflege dieser Räume. Kinder sollen aktiv mitwirken und auf die Gestaltung Einfluss nehmen können. Seit vielen Jahren setzt sich Pro Juventute dafür ein, Kindern Freiräume zu bieten, um sie eigene Erfahrungen machen zu lassen und damit ihre gesunde Entwicklung zu fördern. Wenn die aktuelle Mobilisierungs- und Sensibilisierungskampagne Freiräume für Kinder ins Zentrum rückt, knüpft die Stiftung damit an eine langjährige Tradition an, die sie mit den Robinson-Spielplätzen und der Spielplatzberatung in der Schweiz in den 1950er Jahren gestartet hat.

Kinder-App «Mehr Platz für dich!»

Eigens für die Kampagne hat Pro Juventute mit der Berner Fachstelle SpielRaum und dem Schweizer Gameentwickler und Präsidenten der Swiss Game Developers Association (SGDA) Matthias Sala, die Kinder-App «Mehr Platz für dich!» entwickelt. Die App fordert Kinder auf, draussen ihre Umgebung zu entdecken und schafft so spielerisch und interaktiv ein Bewusstsein für ihren Platz im öffentlichen Raum. Kinder können auf einer Schweizer Karte öffentliche Orte erfassen und gemäss ihren eigenen Vorstellungen von Kinderfreundlichkeit positiv oder negativ bewerten. Daraus entsteht eine Schweizerkarte, die Kindern, Eltern und Betreuungspersonen als Informationsquelle für kinderfreundliche Orte dient. Die Pro Juventute Kinder-App «Mehr Platz für dich!» steht ab sofort zum kostenlosen Download bereit.

Download-Materialien, Informationen zur Kampagne und 
Hintergrundinformationen zum Thema Freiraum 
- Tagesaktuelle Bilder der Mobilisierungsaktion: http://ots.ch/cln2y

- Download: Kinder-App «Mehr Platz für dich!»:

Apple App Store: http://ots.ch/FeNjU 
Google Play Store: http://ots.ch/mbPwJ 
- Informationen für Kinder, Eltern, Lehr- und Fachpersonen zur 
Kinder-App: http://ots.ch/LHzH8

- Bildmaterial zur Kampagne und zur Kinder-App zum Download: 
http://ots.ch/cln2y

- Kampagnen-Spot zum Download: http://ots.ch/JXScN
   
- Kampagnenplattform: www.projuventute.ch/freiraum

- Hintergrundinformationen zur Bedeutung von Freiräumen für die 
kindliche Entwicklung: 
http://ots.ch/muIqn 
Quellen 
Blinkert, B. et al. (2015): Raum für Kinderspiel! Berlin. 
Stamm, H. / M. Lamprecht / D. Wiegand (2014): Gesundheitsförderung 
Schweiz - Monitoring zum Thema Gesundes Körpergewicht. Bern. 
Kambas, A. / P. Antiniou / G. Xanthi / R. Heikenfeld / K. Taxildaris 
/ G. Godolias (2004): Unfallverhütung durch Schulung der 
Bewegungskoordination bei Kindergartenkindern. Deutsche Zeitschrift 
für Sportmedizin, Jg. 55, Heft Nr. 2, Seite 44-47. 

Kontakt:

Pro Juventute, Irene Meier, Leiterin Public Affairs, stv. Leiterin 
Kommunikation,
Tel. 044 256 77 36, 079 501 24 23, E-Mail:
irene.meier@projuventute.ch

Pro Juventute, Ingo Albrecht, Kommunikationsverantwortlicher
Tel. 044 256 77 69, E-Mail: ingo.albrecht@projuventute.ch


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