International Press Institute (IPI)

Halbjährlicher IPI "Death Watch" Bericht: Amerikas überholen Asien als der Welt gefährlichste Region für Journalisten

Korruptionsberichterstattung fordert hohen Tribut - "Investigative Berichterstattung über korrupte öffentliche Beamte ein wesentlicher journalistischer Aspekt" befindet IPI.

    Wien (ots) - Heuer waren die ersten sechs Monate weniger tödlich für Journalisten als die erste Jahreshälfte 2009, berichtet das Internationale Presse Institut (IPI) in seinem am Montag erscheinenden "Six-Month Death Watch Report."

    Bis 30 Juni 2010 hatten weltweit 38 Journalisten ihr Leben verloren, im Vergleich zu den 43 Journalisten, die letztes Jahr im selben Zeitraum getötet wurden.

    Korruption hat sich als eines der gefährlichsten Themen für Journalisten herausgestellt - jeder fünfte getötete Reporter hat darüber berichtet. Auch 2009 hat ein Fünftel aller getöteten Journalisten über Korruption berichtet.

    Vier der ersten sechs Monate in 2010 (Januar, Februar, März und Mai) wiesen auf einen Rückgang der Journalistenmorde hin. Jedoch im April 2010 - sowohl als Folge der Gewalt in Thailand und Nigeria, als auch auf Grund fortwährender Attacken auf Journalisten in Honduras und Somalia- sah man einen Anstieg der Zahl der Pressearbeiter, mit 11 Toten, im Vergleich zu fünf Todesfällen im selben Monat ein Jahr zuvor. Im Juni sah man bereits einen Anstieg- wenn auch marginal- gefolgt vom Tod von drei Journalisten in weniger als einer Woche auf den Philippinen.

    Obwohl im Vergleich zum vorigen Jahr bisher weniger Journalisten für ihre Arbeit getötet wurden, ist trotzdem eine beunruhigende Entwicklung in Lateinamerika zu sehen. Diese Region, im letzten Jahrzehnt die drittgefährlichste für Journalisten, hat Asien, Nahost und Nordafrika übertroffen und ist 2010 der tödlichste Kontinent der Welt für Journalisten geworden. Bis Ende Juni 2009 wurden 13 Journalisten in Lateinamerika getötet, in Vergleich zu 17 in Asien. Heuer aber wurden 16 Journalisten in der Region getötet, vergleichsweise dazu 11 in Asien - und dieses Missverhältnis gibt es trotz fortlaufendem Konflikt in Afghanistan und Pakistan.

    Die überwiegende Mehrheit der auf dem amerikanischen Kontinent getöteten Journalisten sind in zwei Ländern gestorben: Honduras und Mexico. Bis Ende Juni 2010 wurden bereits acht Journalisten in Honduras sowie sieben in Mexico getötet.

    Honduras erlebt einen Attackenschwall gegen Journalisten seit dem allgemeinen Ordnungszerfall, welcher im Juni 2009 der Amtsenthebung des ehemaligen Präsidenten Manuel Zelaya folgte. Seit dem Coup im Juni 2009, wurden bereits neun Journalisten getötet- eine beunruhigende Statistik, wenn man in Betracht zieht, dass seit der Einsetzung von IPI Death Watch 1997 bis zum Coup nur sieben Leute getötet worden sind.

    Mexico ist seit der Einsetzung von IPI Death Watch 1997 ein immer gefährlicherer Ort für Journalisten geworden, zum Teil wegen des permanenten Gewaltsaustauschs zwischen Drogenkartellen und dem von der Regierung unterstützten Militär.

    IPIs Forschung zeigt, dass von den bereits getöteten Journalisten ein größerer Anteil über Korruption berichtete als über Konflikt.

    2009 haben bereits 30 Prozent aller getöteten Journalisten über die Konflikte im Irak, in Somalia, Sri Lanka, Pakistan oder Afghanistan berichtet. In den ersten sechs Monaten 2010 haben nur 15 Prozent über Konflikte berichtet oder in Konfliktzonen gearbeitet.

    Kriminalreportage wurde 2010 ein gefährlicheres Thema für Journalisten im Vergleich zu 2009. Einundzwanzig Prozent der bis Ende Juni 2010 getöteten Journalisten wurden für ihre Berichterstattung über Kriminalität auf Lokal-, Regional- oder Nationalebene ins Visier genommen, in Vergleich zu 13 Prozent in 2009.

    "Obwohl es ermutigend ist, dass 2010 für Journalisten bis jetzt weniger tödlich war als 2009, bleibt IPI um die zunehmende Gewalt in Lateinamerika besorgt", sagte IPI Direktor David Dadge. "Es gehören Recht und Ordnung wiederhergestellt und die Straflosigkeit beendet, damit die Sicherheit der Journalisten und die Pressefreiheit gesichert werden können."

    "Dass jeder fünfte getötete Journalist heuer für seine Berichterstattung über Korruption umgebracht wurde ist besonders beunruhigend, denn die eigentliche Zahl ist möglicherweise viel höher, wenn man in Betracht zieht, wie viele Journalisten zum Zeitpunkt ihres Todes über Politik und Kriminalität berichtet haben."

    "Enthüllungsjournalisten, die über korrupte Beamte berichten, sind von grosser Bedeutung für die Öffentlichkeit, die das Recht hat zu wissen, was in ihren Ländern passiert.  Daher sollen die Menschen auch wissen, welcher Preis von manchen Journalisten bezahlt wird, um diese Themen zu veröffentlichen."

    "IPI spricht den Familien aller Journalisten, die 2010 getötet wurden, sein aufrichtiges Beileid aus."

    PDF der Statistiken und Grafiken: http://www.ots.at/redirect/Death_Watch_Jun_2010

    IPI's Death Watch: http://www.freemedia.at/our-activities/death-watch/

    Rückfragehinweis:

    Nayana Jayarajan     Communications Officer     International Press Institute     Spiegelgasse 2/29     A-1010 Vienna     Tel: +43 1 512 901122     Email: njayarajan@freemedia.at     Follow us on Twitter!     http://twitter.com/globalfreemedia

    Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/5855/aom



Weitere Meldungen: International Press Institute (IPI)

Das könnte Sie auch interessieren: