Schweizerischer Städteverband / Union des villes suisses

Städteverband: «Alt werden in der Stadt» - Schwerpunkt der Statistik der Schweizer Städte 2015

Bern (ots) - In welchen Städten leben am meisten Menschen im Pensionsalter? Wie viele davon sind verheiratet, ausländischer Herkunft oder leben in einem Heim? Antworten auf diese Fragen bietet die «Statistik der Schweizer Städte 2015». Neben Daten zum Schwerpunktthema «alt werden in der Stadt» bietet das statistische Jahrbuch des Städteverbandes erneut zahlreiche Informationen und Fakten zur Bevölkerungsentwicklung, zu Bildung, Wohnungswesen, Tourismus oder der Politik aus 167 Städten und städtischen Gemeinden der Schweiz.

Nachdem der Schweizerische Städteverband im vergangenen Sommer eine Studie zur städtischen Alterspolitik publiziert hatte, stellt das statistische Jahrbuch das Thema «alt werden in der Stadt» ins Zentrum der neuen Ausgabe. Nach Prognosen des Bundesamtes für Statistik wird 2030 rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung mehr als 64-jährig sein. Bereits heute ist dies in den Gemeinden Riehen (26,8 % über 64-jährige), Muri bei Bern (26,3 %), Chiasso (25,4%) sowie auch in Zollikon (24,9 %) der Fall. In 46 von 167 Städten und städtischen Gemeinden sind mindestens 20 Prozent der Bevölkerung in diesem Alterssegment. Den tiefsten Anteil an Personen im Pensionsalter weist Gland (VD) mit rund 10 % auf. In Riehen, Chêne-Bougeries, Zollikon und Chiasso leben zudem sehr viele über 79-jährige Personen: Dort liegt dieser Anteil mit 9 % deutlich über dem Schweizer Durchschnitt (4,9 %). Generell leben Hochbetagte in der Schweiz eher in den Städten.

Seit der Jahrtausendwende hat sich der Anteil der über 64-Jährigen in den Schweizer Städten unterschiedlich entwickelt. Während er in den Grossstädten zurückging, nahm die Anzahl der über 64-Jährigen in mittleren und kleineren Städten und städtischen Gemeinden zu. Am stärksten zugenommen hat der Anteil Personen im Pensionsalter in Städten und Gemeinden mit 10'000 bis 19'999 Einwohner/-innen (+2,7 %).

Erwerbstätigkeit und Ausländeranteil der älteren Bevölkerung

Längst nicht alle über 64-Jährige sind auch effektiv «im Ruhestand». Zwischen 1,4 und 1,7 % der Personen dieser Altersklasse arbeiten Vollzeit, knapp 4,5 % sind Teilzeit erwerbstätig.

Der Ausländeranteil der über 64-jährigen Bevölkerung in der Schweiz liegt im Schnitt bei 10,6 %. Allerdings bestehen signifikante Unterschiede: Chiasso, Le Grand-Saconnex, Vernier und Meyrin weisen in dieser Altersklasse einen Ausländeranteil von über 30 % aus, während er in Spiez lediglich 2,5 % beträgt.

Sozialmedizinische Institutionen in den Schweizer Städten

Erstmals enthält die «Statistik der Schweizer Städte» auch Daten zu den sozialmedizinischen Institutionen in den Städten. Nicht überraschend verfügen die Grossstädte über die meisten Langzeitplätze: Zürich führt diese Liste mit 6'000 Plätzen an, gefolgt von Basel und Bern mit rund 2'489, resp. 2'444 Plätzen.

Rund 8 % der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner sind weniger als 70 Jahre alt, 15 % zwischen 70 und 79 und 77 % zählen über 80 Jahre. Das zeigt, dass die grosse Mehrheit erst im letzten Lebensabschnitt in ein Heim eintritt. Mit zunehmendem Alter steigt auch der Frauenanteil: Während dieser bei Personen, die jünger als 70 Jahre alt sind, unter 50 % liegt, sind es bei den über 80-Jährigen rund drei Viertel.

Immer mehr Personen leben in Städten

Wie bereits in den Vorjahren nahm die ständige Wohnbevölkerung in den meisten Städten und städtischen Gemeinden auch 2013 zu - im Schnitt um 1,2 bis 1,3 %. Lediglich in sieben der 167 im Jahrbuch verzeichneten Städte und Gemeinden nahm die Bevölkerung ab. Am stärksten war der Rückgang mit -1,5 % in La Neuveville (BE), das allerdings im Vorjahr noch einen Bevölkerungsanstieg von 3 % ausgewiesen hatte. Das stärkste Wachstum hatten Veyrier (+5,7 %), Ecublens (+5,0 %) und Wallisellen (+4,7 %).

Städtische Finanzen tendieren ins Rote

Wie die «Statistik der Schweizer Städte» weiter ausweist, schlossen fast 58 % der Städte und städtischen Gemeinden ihre Rechnung für das Jahr 2012 mit einem Defizit ab. Tendenziell wiesen die grösseren Städte dabei häufiger rote Zahlen aus als mittlere und kleinere Gemeinwesen. Beunruhigend ist, dass noch im Jahr 2007 über 70 % der Städte und städtischen Gemeinden ihre Rechnung mit einem Überschuss abschlossen und seither dieser Anteil kontinuierlich zurückging.

FDP besetzt 55 von 167 Stadt- und Gemeindepräsidien

In den städtischen Legislativen und Exekutiven bleiben FDP und SP die tonangebenden Parteien: Die FDP verzeichnet 2014 einen Exekutivsitzanteil von 28,9 %, die SP ist mit 21,2 % die zweitstärkste Partei in den städtischen Exekutiven. Die CVP und die SVP erreichen lediglich einen Sitzanteil von 15,9, respektive 12,6 % in den Regierungen der Schweizer Städte. Auch in den Parlamenten belegen die FDP mit 24,1 % und die SP mit 23 % die meisten Sitze. Die SVP hält mit 14,9 % der Sitze in der Legislative mehr Mandate als die CVP mit 10,2 %. Die Grünen sind in den kommunalen Parlamenten mit einem Sitzanteil von 8,1 % stärker als in den Exekutiven, wo sie lediglich 4,5 % aller Sitze belegen.

Bei den Präsidien liegt die FDP klar an der Spitze: Sie besetzt 55 der 167 Mandate. Darauf folgen die SP mit 34 Präsidien und die CVP mit 27 Stadt- und Gemeindepräsident/-innen. 17 der im statistischen Jahrbuch verzeichneten Städte werden von der SVP präsidiert, während 13 Stadt- und Gemeindepräsident/-innen parteilos sind.

Die Frauen sind in den städtischen Parlamenten mit einem Anteil von 29,7 % gemessen an ihrem Anteil in der Bevölkerung nach wie vor untervertreten. Auch in den Exekutiven verzeichnen sie einen Anteil von lediglich 27 %. Sechs städtische Exekutiven wiesen 2014 eine Frauenmehrheit auf. Es sind dies: Aarau, Carouge, Herisau, Onex, Plan-les-Ouates und Spiez. Zudem gehören dem Gemeinderat von Solothurn exakt gleich viele Frauen wie Männer an.

Kontakt:

Martin Tschirren, stv. Direktor Städteverband, 031 356 32 34.



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