Ernst & Young Schweiz

Globale Hedge-Fund-Studie «Coming of Age»: Neue Verantwortungen, Neue Erwartungen

Zürich (ots) - Anleger und Manager sind unterschiedlicher Auffassung in Fragen zu Governance, Fondskosten, Verwaltung, Nachfolgeplanung und Kapitalbeschaffung / Anleger wünschen sich mehr Verantwortung für Verwaltungsräte und Rechenschaft in Kernbereichen

Obschon globale Hedge-Fund-Manager und Anleger in wichtigen Branchenfragen übereinstimmen, driften die Meinungen in einigen Kernbereichen wie Governance, Fondskosten, Verwaltung, Nachfolgeplanung und Kapitalbeschaffung noch immer auseinander. Zu diesem Schluss kommt die fünfte jährliche globale Hedge-Fund-Umfrage «Coming of Age» von Ernst & Young. Der Studie liegt eine Umfrage unter 92 Hedge-Fund-Manager mit einem verwalteten Gesamtvermögen von USD 600 Mrd. und 42 institutionellen Anlegern mit einem verwalteten Gesamtvermögen von USD 130 Mrd. zugrunde. Die Umfrage wurde zwischen Juli und September 2011 vom Marktforschungsinstitut Greenwich Associates durchgeführt.

«Die Erholung der Hedge-Fund-Branche ist beachtlich. Doch mit zunehmendem Aufschwung interessieren sich die Anleger vermehrt für Themen wie Governance und Überwachung. Und da laufen Wahrnehmung und Realität auseinander», erklärt Cataldo Castagna, Leiter Asset Management von Ernst & Young Schweiz. «Wenn wir den Anforderungen der Anleger weiterhin gerecht werden und die Compliance erhöhen wollen, müssen wir sicherstellen, dass Hedge-Fund-Anleger und Manager auf der gleichen Wellenlänge sind.»

Die wesentlichen Umfrageergebnisse:

Governance: Obwohl Manager und Anleger darin übereinstimmen, dass eine gute Governance Unabhängigkeit voraussetzt, haben die Anleger Zweifel an der Effektivität der Verwaltungsräte der Fonds. 68% der Manager bescheinigen den Verwaltungsräten eine Effektivität bei der Erfüllung ihrer Pflichten. Dem pflichten lediglich 45% der Anleger bei. Während drei Viertel der Manager den Verwaltungsrat gegenüber den Anlegern für rechenschaftspflichtig halten, teilen nur 38% der Anleger diese Auffassung.

«Den Anlegern zufolge geht es den Verwaltungsräten in erster Linie um die Interessen der Manager. Fragen, die für die Anleger wirklich von Belang sind, wie Bewertungen, Risiken und Stilabweichungen, geraten dagegen zumeist in den Hintergrund. Da ist eine weitere Annäherung erforderlich. Gegenüber den Managern dürfen die Verwaltungsräte weder Erfüllungsgehilfen noch "Hilfs-Diktatoren" der Anleger sein», stellt Cataldo Castagna fest.

Fondskosten: Höhere Kosten für Compliance, aufsichtsrechtliche Berichterstattung und sonstige Infrastrukturen haben neben dem verstärkten Trend zu Outsourcing und umfangreicher Schattenbuchführung zu einer branchenweiten Verringerung der Margen geführt. Mehr und mehr prüfen Hedge Funds, wie die fondsinternen Aufwendungen zwischen dem Anlageverwalter und dem Fonds aufzuteilen sind. Doch welche Kosten weitergeleitet werden sollten, ist Gegenstand von Kontroversen zwischen Managern und Anlegern. Während die Anleger eine Schattenbuchführung mehrheitlich für wichtig halten, lehnen fast zwei Drittel von ihnen die Weiterverrechnung dieser Kosten ab. Dennoch stellten über 25% der Manager klar, diese Kosten derzeit weiterzugeben. Ebenso veranlasst der Gebühren- und Margendruck zahlreiche Manager dazu, für grössere Mandate abgestufte Gebühren vorzuschlagen. Verglichen mit dem Vorjahr erklärten mehr als doppelt so viele Hedge Funds, für grössere Mandate abgestufte Gebühren anzubieten.

«Für uns signalisieren diese Umfrageergebnisse eindeutig, dass die Hedge-Fund-Manager ihre Fondskosten auf die Erwartungen und die Zahlungsbereitschaft der Anleger abstimmen müssen, und dass die Investoren noch mehr Kostentransparenz verlangen», so Cataldo Castagna.

Administratoren: Nahezu alle Manager greifen bis zu einem gewissen Grad auf Administratoren zurück. Fast zwei Drittel beider Gruppen sind der Auffassung, dass Administratoren das Vertrauen der Anleger erhöhen. Gleichwohl halten es die Anleger mehrheitlich (74%) für wichtig, dass die Manager die Bewertung vollständig einem Administrator übertragen. Dagegen birgt die vollständige Auslagerung dieser Aufgabe für die meisten Manager (71%) Risiken. Dennoch ist nur jeder vierte Manager bzw. Anleger davon überzeugt, dass Administratoren Level-3-Assets korrekt bewerten können. Die Schattenbuchführung ist weit verbreitet und wird häufig als Notwendigkeit betrachtet. So halten sie 76% der Anleger für wichtig. Häufig führt eine Schattenbuchführung jedoch zu einer Redundanz mit der Arbeit der Administratoren. Dies macht eine Abstimmung zwischen den Systemen des Fonds und des Administrators erforderlich.

«Die Ergebnisse belegen erhebliche Redundanzen und ein Geschäftsmodell, das teuer ist und nur in der Hedge-Fund-Branche Anwendung findet. Langfristig werden die Hedge Funds ihre Schattenaktivitäten überdenken und ein Kontrollumfeld schaffen müssen, in dem die Vorzüge des Administrators besser zur Geltung kommen. Ausserdem sind Kontrollen erforderlich, um etwaige Defizite auszumerzen», betont Cataldo Castagna.

Nachfolgeplanung: Gemäss der Studie unterschätzen Manager, wie wichtig eine eindeutige Nachfolgestrategie für Anleger ist. Nahezu zwei Drittel aller Anleger betonten, sich erst mit einem gut strukturierten Nachfolgeplan wohlzufühlen. Dagegen waren nur 38% der Manager der Auffassung, dass ein gut strukturierter Plan für die Bindung von Anlegern wichtig ist. Über eine durchdachte Nachfolgestrategie verfügen nur 39% der Manager. Im Gegensatz dazu beurteilten 50% der Anleger die Nachfolgestrategien ihrer Hedge Funds als ausreichend.

Kapitalbeschaffung / Due Diligence: Die Due-Diligence-Prozesse haben sich verändert. Obschon die langfristige Anlageperformance nach wie vor Priorität geniesst, messen die Anleger der operativen Due Diligence und internen Kontrollen höhere Bedeutung bei. Für fast zwei Drittel aller Anleger ist das Portfoliomanagement-Team bei der Managerwahl ausschlaggebend. Diese Einschätzung teilen jedoch nur 50% der Manager. Die Manager betrachten die langfristige Wertentwicklung als eines der wichtigsten Kriterien (72%). Dem stimmen lediglich 43% aller Anleger zu.

«Viele Manager haben das Gefühl, bei der Erteilung von Mandaten keine klaren Antworten zu bekommen. Über die Gründe können sie nur spekulieren», sagt Cataldo Castagna. «Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um die Kommunikation zwischen Managern und Anlegern zu verbessern. Nur so können die Manager den Bedürfnissen der Anleger besser gerecht werden und die richtigen Entscheidungen treffen», sagt Cataldo Castagna.

Trends in der Schweiz «In der Schweiz konnten wir im letzten Jahr eine Verlangsamung bei der Standortverlagerung von Hedge-Funds grösserer Organisationen aus London feststellen. Gleichzeitig ist der neue Trend zu beobachten, dass Spin-offs aus den Reihen grösserer Hedge-Fund-Manager oder Start-ups sich eher in der Schweiz niederlassen. Es wird interessant sein zu verfolgen, ob dieser Trend anhalten wird», sagt Rolf Geier, Leiter Steuern Asset Management von Ernst & Young Schweiz.

Parallel dazu steht die Asset-Management-Branche vor einem regulatorischen Umbruch. Ziel der in diesem Sommer veröffentlichten Teilrevision des schweizerischen Kollektivanlagengesetzes ist es, die Lücke in den Bestimmungen zu schliessen und sie in Einklang mit der von der EU vorangetriebenen Richtlinie für die Manager alternativer Investmentfonds (Alternative Investment Funds Manager Directive - AIFMD) zu bringen. Damit soll den Fondsmanagern kollektiver Anlageprogramme der Zugang zum EU-Markt gesichert werden. Einer der zentralen Aspekte, die in dieser Überarbeitung eingeführt wurden, ist die Pflicht für alle Vermögensverwalter kollektiver Anlageprogramme im alternativen und traditionellen Bereich zur aufsichtsrechtlichen Überwachung durch die FINMA.

"Wir rechnen nicht damit, dass die AIMFD und die vorgeschlagenen Änderungen der aktuellen Schweizer Regelung für kollektive Kapitalanlagen für die Schweizer Vermögensverwalter besondere Vorteile mit sich bringen werden, es sei denn, der Zugang zum europäischen Markt wird gewährt. Doch das hängt nicht allein von der Schweiz ab. Derweil müssen die Vermögensverwalter sich dennoch an die neuen Regelungen halten, die erhöhte Anforderungen an die internen Kontrollsysteme, das Risikomanagement, die Berichterstattung und die Organisation stellen. Diese können zu deutlich höheren Betriebskosten führen, insbesondere bei kleineren Marktteilnehmern" so Nicla Häfliger, Leiterin für Regulatorische Aspekte des Asset-Management-Bereichs von Ernst & Young Schweiz.

Kontakt:

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