Ernst & Young Schweiz

Lebensversicherungsstudie 2011: Beschränktes Vertrauen in die Lebensversicherer

Zürich (ots) - Nur etwas mehr als die Hälfte der Privatpersonen glaubt, dass die Lebensversicherer ihre Garantieversprechen auch langfristig einhalten können. Gleichzeitig besteht in der beruflichen Vorsorge eine hohe Nachfrage nach Vollversicherungslösungen mit Garantien. Gerade kleinere Unternehmen sind auf dieses Modell angewiesen. Es besteht ein entsprechender Handlungsbedarf von Seiten der Assekuranz, das mangelnde Vertrauen wieder herzustellen. Das zeigt die heute Montag erstmals publizierte Lebensversicherungsstudie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young.

ZÜRICH, 14. NOVEMBER 2011 - Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Ernst & Young hat im Oktober 2011 erstmals eine breit angelegte Lebensversicherungsstudie durchgeführt. Schweizweit wurden 500 Privatpersonen und 500 KMU befragt, wobei die Bedeutung von Lebensversicherungsgarantien und die Verständlichkeit des Versicherungsangebots im Vordergrund standen.

Lebensversicherungen ein wichtiger Teil der Altersvorsorge Die Umfrage zeigt den grossen Stellenwert von privaten Rentenversicherungen: Fast 85% der befragten Personen beurteilen die private Rentenversicherung als wichtigen Teil der finanziellen Altersvorsorge, unabhängig von Alter und Geschlecht. Die effektive Verbreitung von Lebensversicherungsprodukten ist allerdings geringer, nur 70% verfügen über ein privates Versicherungs- oder Vorsorgeprodukt. "Diese Diskrepanz lässt sich mit dem mangelndem Vertrauen der Befragten erklären, das den Versicherern gegenüber gebracht wird", sagt Hans-Jürgen Wolter, Partner und Leiter European Actuarial Services bei Ernst & Young. Auch das gegenwärtige wirtschaftliche und politische Umfeld trägt seiner Ansicht nach massgeblich zur Verunsicherung bei.

Im Direktvergleich zu Aktien und Obligationen betrachten tatsächlich lediglich rund 60% der befragten Personen private Lebensversicherungen als sicherere Vermögensanlage, obwohl bei der Regulierung und insbesondere bei den Solvenzvorschriften (Swiss Solvency Test, EU Solvency II) der Schutz des Versicherungsnehmers deutlich verstärkt wird . Nur 54 Prozent der Befragten glauben, dass die Versicherer ihre Garantieversprechen langfristig einhalten können. Was heute angesichts der andauernden Finanzkrisen zählt, ist Sicherheit: 84% der befragten Privatpersonen ziehen einen garantierten Zins und ein garantiertes Kapital einer höheren Rendite vor.

Private Rentenversicherungen stellen eine wichtige Ergänzung zum System der ersten und zweiten Säule dar, rund 40% der Befragten verfügen über eine zusätzliche Absicherung im Alter.

KMU setzten auf Vollversicherungslösungen Die Auswertung der Daten zu den beruflichen Vorsorgelösungen zeigt, dass 44% der KMU einen Anschlussvertrag mit einer Versicherungsgesellschaft haben. Dabei geniessen Vollversicherungslösungen sehr grossen Rückhalt: 93% der befragten Unternehmen beurteilen das System, das keine Unterdeckung zulässt und bei welchen die Unternehmen kein Risiko tragen, als positiv oder sehr positiv. "Die Vollversicherungslösungen sind in unsicheren Zeiten wieder sehr gefragt", sagt Thomas Brotzer, Partner Insurance bei Ernst & Young. Er geht davon aus, dass sich daran in nächster Zeit nichts ändern wird.

Leistungsgarantien haben eine zentrale Bedeutung: 97% der befragten KMU erachten die finanzielle Stärke und die Leistungsgarantien der Vollversicherungen in der zweiten Säule als wichtig oder sehr wichtig. Hohe Renditen stehen nicht mehr im Vordergrund, über 80% der KMU legen mehr Wert auf einen garantierten Zins sowie die garantierte Rückzahlung des einbezahlten Kapitals (keine Unterdeckung). Kleinere Unternehmen sind faktisch auf die Vollversicherungslösung der Versicherer angewiesen; lediglich 30% der kleineren Unternehmen wären in der Lage, im Sanierungsfall der Vorsorgeeinrichtung zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen. Jede siebte Vorsorgeeinrichtung der befragten KMU musste in den letzten fünf Jahren saniert werden. Am häufigsten wurden dazu zusätzliche Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern einbezahlt, andere Sanierungsmassnahmen bestanden in einem Zinsverzicht auf dem Altersguthaben und in der Reduktion des Umwandlungssatzes für Neurenten.

Trotz der Verwerfungen an den Finanzmärkten beurteilen 90% der befragten KMU die finanzielle Stärke und Sicherheit Ihrer Vorsorgeeinrichtung als gut oder sehr gut. Allerdings ist das Vertrauen in die weitere Zukunft begrenzt: Lediglich 60% der Befragten sind der Ansicht, dass die Versicherer die Garantieversprechen auch langfristig einhalten können. Wie wichtig Garantien sind, zeigt sich auch darin, dass KMU grundsätzlich bereit wären, mehr dafür zu bezahlen. Kleine Unternehmen, die stärker auf Garantien angewiesen sind, zeigen jedoch eine geringere Bereitschaft, die damit verbundenen höheren Kosten zu tragen.

Die längerfristigen Einschätzungen mögen durchzogen sein, mit ihrer aktuellen Vorsorgelösung sind 87% der befragten KMU zufrieden und würden diese anderen Unternehmen weiterempfehlen. Auch die Informationen, welche die Vorsorgeeinrichtungen zum Geschäftsjahr veröffentlichen, beurteilen 89% der KMU als gut, mit der Qualität der Beratung und der Auskunft ihrer Vorsorgeeinrichtung sind 94% zufrieden.

Die Krux mit den Versicherungsbedingungen Verständlichkeit und Transparenz der Versicherungsprodukte werden sowohl von Privatpersonen als auch von KMU als gut wahrgenommen. Mängel sehen die Privatpersonen bei der Lesbarkeit der allgemeinen Versicherungsbedingungen, KMU bei der Lesbarkeit der Bedingungen in den Anschlussverträgen; diese Aspekte werden von der Hälfte der Befragten als ungenügend eingestuft. Die Produktbeschreibungen werden von 37% der Privatpersonen kaum verstanden.

Informationen zur Studie Die vorliegende Lebensversicherungsstudie basiert auf einer repräsentativen Umfrage, die im Oktober 2011 im Auftrag von Ernst & Young durchgeführt wurde. Das unabhängige Marktforschungsinstitut Valid Research in Bielefeld befragte 500 Privatpersonen und 500 KMU in der Schweiz; bei den KMU wurden Geschäftsführer oder die Verantwortlichen für das Rechnungswesen befragt. Die Studie wurde in dieser Form zum ersten Mal durchgeführt. Die Studie steht auf der Website unter www.ey.com/ch zum Download zur Verfügung.

Kontakt:

Simone Isermann
Ernst & Young
Media Relations
Tel.: +41 (0) 58 286 35 97
simone.isermann@ch.ey.com



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