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McKinsey: Private Banking Survey 2012
Aktienschwäche belastet verwaltete Kundenvermögen in Deutschland, nur wenig neue Mittel angelegt - Erträge der Banken im Private Banking stagnieren

Düsseldorf/London (ots)

Das Private-Banking-Geschäft, lange Zeit eines der attraktivsten Segmente im Finanzsektor, blieb von den Auswirkungen der Finanzkrise nicht verschont. Nach einer leichten Erholung 2010 sah es anfangs so aus, als ob 2011 die Wende bringen werde. Doch trotz eines guten Starts verlief die zweite Jahreshälfte für die Branche enttäuschend, was sich in einer insgesamt negativen Kapitalwertentwicklung und stagnierenden Gewinnen niederschlug.

In Deutschland schrumpfte das im Private Banking verwaltete Vermögen (Assets under Management, AuM) um 5%. Zwar wuchsen die frisch angelegten Kundengelder (Nettomittelzuflüsse) um 1%, gleichzeitig sank aber der Wert der verwalteten Beträge durch Kursverluste an den Kapitalmärkten um sechs Prozentpunkte. Daraus ergab sich unterm Strich der Rückgang um 5%. Im Jahr zuvor waren die AuM noch um 10% gestiegen (sieben Prozentpunkte Performance und drei Prozentpunkte Nettomittelzuflüsse).

Dies sind einige der wichtigsten Ergebnisse des Private Banking Survey 2012 von McKinsey & Company. Dieses Jahr nahmen über 160 Banken aus Europa, dem Nahen Osten, Asien und Nordamerika an der Befragung teil.

Jens Hagel, Partner bei McKinsey und Leiter der europäischen Private Banking Practice: "Das Private-Banking-Geschäft ist anspruchsvoller geworden. Mit der Wirtschaftskrise hat sich der Schwerpunkt des Wachstums in die neuen Märkte verlagert. In Europa bringen volatile Kapitalmärkte, zunehmende Regulierung und vorsichtigere Kunden das traditionelle Angebots- und Beratungsmodell der Privatbanken unter Druck. Nicht jeder Anbieter kann mit dem Veränderungsdruck mithalten: Die Unterschiede in der Performance sind größer denn je". Für die Anbieter in Westeuropa zeigt sich folgendes Bild:

- Die verwalteten Vermögen der westeuropäischen Privatbanken verzeichneten 2011 einen Rückgang um 3%. Die Nettozuflüsse betrugen nur 1%, das ist die Hälfte von 2010 und nicht ausreichend, um die schlechte Marktperformance im Jahr 2011 zu kompensieren (-4%). Zwar war die Profita¬bilität der Banken insgesamt stabil, blieb jedoch deutlich unter Vorkrisenniveau: Die Gewinnmarge betrug unverändert 24 Basispunkte (also 0,24% des verwalteten Vermögens) und lag damit noch immer zwölf Basispunkte unter den Spitzenwerten von 2005 bis 2007.

- Als Reaktion auf das schwierige Marktumfeld haben sich die Anlageschwerpunkte der Kundengelder verändert. So sank der Anteil von Aktien in den Portfolios der Privatbanken europaweit von 26 auf 24%, in Deutschland von 28 auf 25%. Der Anteil an festverzinslichen Wertpapieren sowie Festgeldern erhöhte sich hingegen von 56 auf 59% in Europa und von 52 auf 54% in Deutschland - ein klares Indiz für den verstärkten Wunsch der Kunden nach Sicherheit und Liquidität.

- Gleichzeitig fällt auf, dass die einzelnen Banken sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Obgleich das Private-Banking-Geschäft im Durchschnitt noch immer positive Nettozuflüsse verbuchte, verloren 40% der Privatbanken im Jahr 2011 Kundengelder. Und der Markt ist in Bewegung: Während die Banken im stärksten Viertel des Markts 10% Nettozuflüsse verzeichneten, erlitten ihre Wettbewerber im unteren Quartil Nettoabflüsse in Höhe von 6%.

- Die Kosten im Griff zu halten erwies sich für viele Anbieter als schwierig: Während die Erlöse nur um 3% zulegten, stiegen die absoluten Kosten 2011 um 4%. Getrieben wurde dieser Kostenanstieg durch ein Anschwellen der Kosten für Backoffice/IT und Gemeinkosten um 7% (dieser Kostenblock macht 45% der Gesamtkosten aus), was unter anderem an den strengeren Anforderungen an Compliance und Risikomanagement liegt. Auch hier zeigt sich, wie unterschiedlich sich der Markt entwickelt: Entgegen dem branchendurchschnittlichen Kostenanstieg gelang es einem Drittel der Privatbanken, ihre Kosten um im Schnitt 6% zu senken. Größe wird zu einem immer bedeutenderen Faktor: Zwischen 2007 und 2011 stieg der Aufwand von Banken mit weniger als 10 Mrd. EUR verwaltetem Vermögen in einem Booking Center von 69 auf 75 Basispunkte - Banken mit höherem verwalteten Vermögen verzeichneten hingegen einen Rückgang des Aufwands von 53 auf 52 Basispunkte.

- Während der aktuellen Krise erwiesen sich die Private-Banking-Bereiche der Universalbanken auf ihrem eigenen Markt am robustesten: Sie erreichten Nettozuflüsse von 2% und die höchste durchschnittliche Profitabilität (34 Basispunkte). Die unabhängigen Boutiquen konnten zwar Marktanteile gewinnen (4%), wurden wegen der stärkeren Spezialisierung auf das Anlagegeschäft bei den Erträgen aber härter getroffen (26 Basispunkte). Viele internationale Anbieter hat die Krise bei ihrem Engagement im Ausland hart erwischt - weder konnten sie Neukundengelder gewinnen noch ihre Profitabilität verbessern.

Hintergrund:

Für die Studie wurden weltweit mehr als 160 Banken mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen in 26 Ländern befragt. Drei Viertel der befragten Institutionen sind Privatkundenbereiche von Universalbanken, bei den restlichen Teilnehmern handelt es sich um Spezialanbieter. Rund 70% arbeiten Onshore, 30% haben ihren Sitz in Offshore-Zentren. Die Banken lieferten detaillierte Finanzdaten auf Grundlage ihrer Ergebnisse aus 2011 sowie qualitative Daten zu Organisation, Produkt- und Serviceangebot, Vertriebsmodell, Risiko¬management und Kostensenkungsmaßnahmen.

McKinsey & Company ist die in Deutschland und weltweit führende Unternehmens¬beratung für das Topmanagement. 28 der 30 DAX-Konzerne zählen aktuell zu den Klienten. In Deutschland und Österreich ist McKinsey mit Büros an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München, Stuttgart und Wien aktiv.

Kontakt:

Kai Peter Rath, Telefon 0211 136-4204,
E-Mail: Kai_Peter_Rath@mckinsey.com

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