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Zahltag, Kommentar zur Deutschen Bank von Bernd Neubacher

Frankfurt (ots) - Nur ein kleines Milliärdchen fehlt noch, dann hat es die Deutsche Bank geschafft - das Kunststück, in den knapp drei Jahren seit Antritt ihrer Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain Rechtskosten aufzutürmen, deren Umfang die rund 10 Mrd. Euro schwere Kapitalerhöhung im vergangenen Jahr komplett absorbiert. Allein mit der Rekordstrafe, auf die sich das Institut nun im Zinsskandal mit den Behörden geeinigt hat, sind 2,3 Mrd. Euro hinzu gekommen. Angesichts Tausender weiterer Rechtsstreitigkeiten muss man sagen: Da geht noch was.

Frohnaturen könnten argumentieren, das nun sanktionierte Fehlverhalten sei Schnee von gestern. Schließlich geht es um Vorgänge aus den Jahren 2005 bis 2009. Fitschen und Jain äußern sich daher "zufrieden", dass sie "die Angelegenheit" - gemeint sind jahrelange Versuche von Mitarbeitern, Zinsen zu manipulieren, um sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern - "nun gelöst haben". Ähnlich sehen das die Anleger, die ja immer nur an die Zukunft denken und die Titel des Instituts am Donnerstag in einem sehr schwachen Gesamtmarkt nur minimal sinken ließen.

Diese Sicht aber grenzt an Notwehr. Schließlich steht der Vorstand im Zuge einer strategischen Neuausrichtung der Bank gerade kurz davor, durch den Verkauf der Deutschen Postbank die Bedeutung des Investment Banking im Konzern zu stärken, jenes Bereichs, der die kolossalen Belastungen unter Jains Führung herbeiführte.

In geradezu rührender Weise hat man versucht, den stets aufs Neue ins Kontor schlagenden Rechtsaufwand als Einmalkosten darzustellen. Mit Grund: Denn betrachtet man sie als Teil des operativen Aufwands, was angesichts der Frequenz der Belastungen redlicher wäre, verändert sich die Renditerechnung: Wie gut müssen Märkte denn laufen, damit eine Bank solche Kosten nicht nur wegstecken kann, sondern zudem noch etwas erwirtschaftet, in Zeiten zumal, in denen US-Behörden sich in ihren Forderungen an Banken gegenseitig überbieten?

Mit 2,7 Prozent lag die Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank 2014, vor dem Rekordvergleich, um 1,7 Punkte unter jener der Postbank. Für den Zinsskandal "und andere Themen" bucht die Bank im Startquartal, traditionell das stärkste im Jahr, nun 1,5 Mrd. Euro an zusätzlichen Rückstellungen. Dennoch wird sie schwarze Zahlen zeigen, weil die Erträge fast Rekordniveau erreicht haben. Darauf wird sie sich allerdings nicht immer verlassen können. Und die Aktionäre werden nicht nochmal 10 Mrd. Euro investieren. Nicht nach den jüngsten Erfahrungen.

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