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Gelbe Ritter, Kommentar zur Postbank von Bernd Wittkowski

Frankfurt (ots) - Man hätte darauf wetten können, dass er auch diesmal auftaucht. Nur wird er als möglicher Käufer erstaunlich früh in die Gerüchteküche geschickt - noch ist die Zerschlagung der Deutschen Bank ja formal nicht beschlossen. Da scheint die Not groß zu sein. Jedenfalls ist der Chinese wieder da. Wenn sonst nichts mehr hilft, muss er als Interessent ran, wahlweise in Gestalt einer Bank oder eines Staatsfonds. Neuerdings wird er gar als Retter der Griechen gehandelt. Aber um die geht es an dieser Stelle ausnahmsweise nicht, sondern nur um die Deutsche Postbank. Der "Gelbe Ritter" wird nun eine Weile durch den Blätterwald geistern, übrigens in illustrer Gesellschaft des Russen - auf dessen Antrag zum Beteiligungserwerb freut sich die Bankenaufsicht ganz besonders. Doch bleiben wir beim Chinesen. Der hat ja bereits die Commerzbank, die Dresdner, die WestLB und manch andere übernommen. Hatten die Geschichten auch keinen Nachrichtenwert, für ein wenig Unterhaltungswert waren diese "Peking-Enten" immer gut.

Was aktuell nicht ganz zu den Altfällen passt: Damals hielt der Chinese immer als Käufer der letzten Instanz her, wenn sich sämtliche anderen kolportierten Namen als heiße Luft erwiesen hatten. Diesmal soll auch Santander noch dabei sein. Wer sich die Stresstest-Ergebnisse der Spanier und deren Kapitalkraft auch nach der Mittelaufstockung um 7,5 Mrd. Euro genauer anschaut, könnte gewisse Zweifel hegen, selbst wenn man das Bekenntnis der Santander-Vorsitzenden Ana Botín zum organischen Wachstum nicht ganz wörtlich nehmen muss.

Doch das Beste zum Schluss: Der Bund erwäge die Zusammenführung von Commerzbank und Postbank, irrlichtert es am Nachrichtenhimmel. Dass wir darauf nicht selbst gekommen sind! Auf diese Chance, ihr Privatkundengeschäft nach jahrelanger Untätigkeit endlich restrukturieren, Hunderte Filialen schließen und Tausende Stellen abbauen sowie in den Briefmarkenverkauf diversifizieren zu können, haben die Gelben sehnsüchtig gewartet. Apropos gelb: Farblich würden die Blau-Gelben zur Commerzbank passen. Insoweit immerhin hat es schon mit den Blauen harmoniert.

Im Ernst: Die Postbank, die jetzt von Investmentbankern schlechtgeredet wird, und ihre fast 15.000 Beschäftigten können einem leidtun. "Schade nur um das in Eigenständigkeit prima funktionierende Geschäftsmodell der Postbank, das bei einer Übernahme wohl unter die Räder käme", schrieben wir, als sich vor acht Jahren der Verkauf der damaligen, seit 2004 börsennotierten Post-Tochter konturierte. Quod erat demonstrandum.

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