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Neuer Schwung, Kommentar zur Credit Suisse von Daniel Zulauf

Frankfurt (ots) - Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Wäre dieses geflügelte Wort nicht längst im Umlauf, man hätte es spätestens gestern erfinden müssen. Während beim Rücktritt von Credit-Suisse-Chef Brady Dougan bestenfalls der Zeitpunkt noch eine Überraschung war, hatte dessen Nachfolger Tidjane Thiam schlicht niemand auf der Rechnung. Der Franko-Ivorer hat weder eine Vorgeschichte an der Wall Street, noch hinterließ er anderswo in der Bankenwelt Spuren. Der 52-Jährige ist ein Branchenneuling, aber einer, der als CEO des britischen Versicherers Prudential schon Erfahrung in der Führung einer börsennotierten Gesellschaft gesammelt hat. Sein Leistungsausweis hat den Verwaltungsratspräsidenten der Schweizer Großbank, Urs Rohner, offensichtlich tief beeindruckt.

Sichtlich zufrieden, um nicht zu sagen begeistert präsentierte der Aufsichtsratschef seinen Fang auf der Pressekonferenz, sekundiert vom scheidenden Amerikaner, der nicht einmal im Ansatz einen zerknirschten Eindruck machte. Dem gewöhnlich äußerst zurückhaltend und kontrolliert auftretenden Dougan war im Gegenteil eine gewisse Freude über Thiams Ernennung anzumerken.

Die Börse hat sich in ihren Erwartungen an Thiam bereits eindrücklich festgelegt. Die starke Kursreaktion auf die Personalie kann nur als Zeichen der Hoffnung auf einen strategischen Kurswechsel verstanden werden. Doch wer glaubt, dass der neue Chef die Bank nun nach dem Vorbild der UBS auf das Vermögensverwaltungsgeschäft reduziert und schon bald einen Rückbau der Investmentbank in Angriff nimmt, dürfte sich täuschen. Einen solchen Schritt kann sich die Bank gar nicht leisten, und das sollte sie auch nicht. Dougan hat die Investmentbank in den vergangenen drei Jahren auf eine deutlich solidere Grundlage gestellt, und sie ist als recht zuverlässige Ertragsbringerin mitverantwortlich dafür, dass die Bank ihren Aktionären weiterhin eine angemessene Dividende auszahlen kann.

Thiam sagte gestern, ein Job als CEO sei für ihn dann interessant, wenn sich die Chance biete, ein Unternehmen zu Wachstum zu führen. Wenn die Credit Suisse die strategischen Akzente weiter in Richtung Vermögensverwaltung verschiebt, was Rohners erklärtes Ziel ist, dann wird sie versuchen, dies durch Aufbau zu tun. Vermutlich wird man von Thiam in den nächsten Jahren einiges über Akquisitionen und Fusionen zu hören bekommen. Frischer Schwung ist der in den letzten Jahren über Gebühr geschundenen Bank allemal zu gönnen.

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