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Neuland für Aktionäre, Kommentar zu Sixt von Stefan Kroneck

Frankfurt (ots) - Erich Sixt stellt mal wieder seinen Tatendrang unter Beweis. Mit dem geplanten Börsengang der Leasingsparte steuert der 70-Jährige Deutschlands größten Autovermieter in eine neue Dimension. Damit zeichnet sich eine Konzernstruktur ab, die wohl auch bestehen soll, wenn er eines Tages nicht mehr an der Unternehmensspitze steht und seine beiden Söhne (noch) mehr Verantwortung in der Firma übernehmen.

Sollte der Firmenpatriarch seinen Plan verwirklichen und die Tochtergesellschaft Sixt Leasing aufs Handelsparkett schicken, entspräche dies faktisch einer Aufspaltung des Konzerns. Das SDax-Mitglied würde sich von einem Drittel des Umsatzes trennen, die verbleibenden zwei Drittel machten das ertragsstärkere und dynamischere Kerngeschäft Autovermietung aus.

Ob dies Sixt aber so umsetzt, wird sich erst in den kommenden Wochen entscheiden. Schließlich befindet sich das Unternehmen noch in einer Prüfphase. Das heißt, dass Sixt dieses Vorhaben kippen kann, wenn sich abzeichnet, dass die auf dem Papier skizzierten wirtschaftlichen Vorteile für die Firma sich in der Realität nicht umsetzen lassen.

Für Sixt ist ein Börsengang unter dem Aspekt der Kapitaleffizienz allerdings verlockend, würde doch ein Bereich abgestoßen, der zwar in jüngster Vergangenheit gute Fortschritte beim Wachstum verzeichnete, aber hinsichtlich der Profitabilität weit hinter dem Kerngeschäft liegt. Zum Vergleich: In den ersten neun Monaten 2014 erzielte Sixt in der Autovermietung eine operative Rendite von gut 13%, im Leasingbereich waren es etwas über 5%. Nach einem erfolgreichen Initial Public Offering (IPO) bekäme die Leasingtochter mit dem eingesammelten Geld mehr Autonomie bei der Finanzierung ihres Geschäfts. Zugleich würde dies das stark im Ausland expandierende Vermietgeschäft entlasten.

Trotz dieser sich abzeichnenden Vorteile ist für den Vorstandsvorsitzenden und Großaktionär ein solcher Schritt 29 Jahre nach dem Börsendebüt seiner Firma ein Wagnis. Vergleichbare börsennotierte Autoleasinggesellschaften gibt es in Deutschland nicht. Eine Peergroup ist schwer auszumachen. GrenkeLeasing agiert in einem anderen Segment. Der Bereichsjahresumsatz von 535 Mill. Euro und das bilanzielle Leasingvermögen von 775 Mill. Euro (Stand 2013) liefern nur einen groben Ansatz für eine mögliche Bewertung des Börsenkandidaten. Anleger beträten also Neuland, sollten sie Papiere von Sixt Leasing in ihr Depot nehmen.

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