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Optimismus erfasst den Dax, Marktkommentar von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) - Der Januar 2015 wird als einer der bemerkenswertesten Monate in die Geschichte des Dax eingehen. Denn der Index hat seit Jahresbeginn um gut 9% zugelegt und mit seinem fulminanten Anstieg bis auf 10800 die 10000er-Schwelle erstmals deutlich überwunden. Damit haben die deutschen Standardwerte alle anderen internationalen Aktienmärkte von Rang hinter sich gelassen und auch ihre Underperformance gegenüber den Bundesanleihen abgelegt. Allerdings haben auch deren Halter keinen Grund zu klagen. Durch das anhaltende Abrutschen der Renditen haben sie mit zehnjährigen deutschen Staatstiteln, gemessen am Index Grex 10, einen Ertrag von 1,7% eingefahren.

Zu verdanken ist beides der Europäischen Zentralbank (EZB), die Anleihekäufe für monatlich 60 Mrd. Dollar angekündigt hat. Selbst der Sieg der linksradikalen Syriza bei der griechischen Parlamentswahl und der Konfrontationskurs des neuen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, der vereinbarte Sanierungsmaßnahmen stoppte und am Freitag auch noch die Zusammenarbeit mit der Troika aufkündigte, konnten auf den neuen Kurshöhen des Dax nur moderate und kurzlebige Korrekturbewegungen auslösen. Auch die neuerliche Eskalation des Ukraine-Konflikts ließ den Index kalt.

Gewinnprognosen sinken

Einen Haken hat die Rally. Die Schätzungen für die Unternehmensgewinne befinden sich immer noch im Sinkflug. Der Konsens für den aggregierten Dax-Gewinn je Aktie für das Jahr 2015, der Ende 2014 bei 779 lag, ist im Januar weiter auf 775 Indexpunkte gesunken. Im Ergebnis hat sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Dax von 12,6 auf 13,8 erhöht. Damit steigt das Rückschlagsrisiko, sollten an der vom Konsens derzeit noch für dieses Jahr erwarteten Steigerung der Unternehmensgewinne Abstriche zu machen sein.

Allerdings scheint auch in dieser Hinsicht zusehends Optimismus aufzukeimen, so dass die recht stabile Verfassung des Dax in der abgelaufenen Woche möglicherweise nicht nur auf die EZB zurückzuführen ist. Während auf der Unternehmensgewinnseite zuletzt noch Abwärtsrevisionen dominierten, sorgt die Kombination aus deutlich niedrigerem Ölpreis und gesunkenem Euro-Außenwert bei den Konjunkturerwartungen bereits für eine gegenläufige Bewegung. Die Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum werden zuversichtlicher. So hat die DZ Bank ihre Erwartung für das BIP-Wachstum des laufenden Jahres am Freitag deutlich von 1% auf 1,5% angehoben. Während die Renditen am Rentenmarkt nach der EZB-Ankündigung weiter gesunken seien, habe der Euro gegenüber dem US-Dollar nochmals kräftig nachgegeben. "Für die deutsche Konjunktur dürfte Letzteres der wichtigere Faktor sein: Die Absatzmärkte der deutschen Exportwirtschaft liegen zu fast zwei Dritteln außerhalb des Euroraums, und die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Produkte verbessert sich mit dem schwächeren Euro." Hinzu komme mit dem Ölpreisrückgang ein weiterer per saldo positiver Faktor. Durch die sinkenden Energiekosten steige die Kaufkraft von Unternehmen und privaten Haushalten in Deutschland, was wiederum ihre Konsum- und Investitionsmöglichkeiten erweitere. Nach Einschätzung des Instituts beträgt der positive Wachstumseffekt des bis Anfang 2015 um rund 50% gesunkenen Ölpreises auf das Wachstum 0,25 bis 0,5 Prozentpunkte.

Auch die Commerzbank hob ihre Wachstumsprognose für Deutschland aus den genannten Gründen an, und zwar von 1,1% auf 1,5%. Durch den Rückgang des Ölpreises und die Euro-Abwertung hätten sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen zuletzt spürbar verbessert. Knapp die Hälfte des Ölpreisrückgangs sei bei den Konsumenten in Europa angekommen und erhöhe deren verfügbares Einkommen um rund 1%. Ein Teil davon werde in den Konsum fließen, besonders in Deutschland, weil die privaten Haushalte und die Unternehmen hierzulande nicht zu hoch verschuldet seien.

Allerdings glauben die Aktienstrategen der Bank, dass der Dax sein Aufwärtspotenzial mittlerweile zu einem großen Teil ausgereizt hat. Die Erholung des Ifo-Index, der schwache Euro und die Ankündigung der Staatsanleihekäufe durch die EZB hätten den Dax seit Mitte Oktober um 30% nach oben getrieben. "Nun könnten wieder negative Faktoren wie die Leitzinswende der Fed, das sich abschwächende Wachstum in China, die Krise in Russland und die Warnstreiks in der deutschen Industrie in den Blickpunkt der Investoren rücken. Wir erwarten daher für die kommenden Monate einen Dax-Seitwärtstrend zwischen 10000 und 11200."

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