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Ernüchterung, Kommentar zum deutschen Aktienmarkt von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) - Die Entwicklung des Dax, der gestern erstmals seit zwei Monaten wieder Tiefen unterhalb der Schwelle von 9000 Punkten erreicht hat, ist in mehrfacher Hinsicht ernüchternd. Denn nach dem Ende des Septembers, des statistisch gesehen schwächsten Monats des Index, sahen die Aussichten auf einen "Goldenen Herbst" am Aktienmarkt nicht schlecht aus. Dass nahezu 90% der Jahresschlussquartale für den Dax positiv ausfallen, ist dabei Nebensache. Die Entschärfung der Ukraine-Krise, vor allem aber der immer aggressiver werdende Lockerungskurs der Europäischen Zentralbank und die Abschwächung des Euro schienen die Börsenampeln wieder auf Grün geschaltet zu haben.

Nach der jüngsten Schwäche liegt der Dax seit dem Jahresbeginn mit 5,1% im Minus, während Bundesanleihen, für die Ende 2013 teilweise sogar negative Erträge prognostiziert worden waren, im sieben- bis zehnjährigen Laufzeitenbereich 10,3% eingespielt haben. Das dürftige Ergebnis zeigt, dass auch Aktienmärkte auf Dauer nicht von heißer Luft leben können. Es reicht letztlich allein nicht aus, dass Zentralbanken das Zinsniveau auf null drücken und die Märkte mit Liquidität zuschütten.

Entscheidend sind und bleiben die Unternehmensgewinne bzw. deren Wachstumsaussichten, und eben in dieser Hinsicht hakt es. Denn es sieht angesichts der zusehends schlechten konjunkturellen Nachrichten sehr danach aus, dass die Erholung der Gewinnentwicklung ein weiteres Mal verschoben werden muss. Noch rechnet der Konsens für das nächste Jahr mit einem Wachstum der aggregierten Dax-Gewinne je Aktie um rund 12,5%. Doch das sieht mittlerweile immer ambitionierter aus. Kurzum: Dem Markt drohen Gewinnenttäuschungen und Abwärtsrevisionen bei den Prognosen.

In dem derzeitigen negativen Umfeld könnte der Dax in nächster Zeit durchaus auch noch deutlicher unter die Schwelle von 9000 Zählern sinken. Allerdings ist die Neueinschätzung der konjunkturellen Aussichten nun auch ein gutes Stück weit in den Notierungen eingearbeitet. Zudem bedeuten die extrem niedrigen Zinsen, die im Euroraum noch lange erhalten bleiben werden, eine Stütze, da es an Alternativen zur Aktie mangelt. Mit der Zeit wird die Schwäche des Euro zum einen sich positiv in der Ertragslage der Unternehmen niederschlagen und zum anderen in Kombination mit den Kursverlusten Euro-Aktien für Anleger aus anderen Währungsräumen wieder attraktiv machen.

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