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Frühlingsgefühle, Kommentar zu Euro-Krisenstaaten von Detlef Fechtner

Frankfurt (ots) - Portugal wird heute eine zehnjährige Anleihe an den Markt bringen. Die Chancen für eine freundliche Aufnahme stehen nicht schlecht: Schließlich haben Portugal und Griechenland bereits mühelos Fünfjährige platziert, ist Irland ein störungsfreier Ausstieg aus der Rolle als Programmland gelungen, sind die Risikoprämien in den Keller gesunken. Kurzum: Am Anleihemarkt scheint der Lenz ausgebrochen zu sein. Die Stimmung ist frühlingshaft und unbesorgt. Im Vertrauen, dass zur Not gewiss die Europäische Zentralbank einspringt, haben die Investoren nicht bloß ihre Risikoscheu abgelegt, sondern agieren gänzlich unbeschwert.

Längst bereitet gerade diese Leichtherzigkeit den Euro-Rettungsmanagern Stirnrunzeln. Lange haben sie die Investoren bestärkt, doch wieder Vertrauen in die Eurozone zu fassen. Aber mittlerweile macht sich bei manchem in der Eurogruppe die Sorge breit, dass die Märkte nun erneut übertreiben - dieses Mal in anderer Richtung. Diese Bedenken bestimmen derzeit Diskussionen darüber, ob sich Portugal in Form eines "clean exit" aus dem Hilfsprogramm verabschieden soll - oder ob das Land doch ein Sicherheitsnetz in Form einer präventiven Kreditlinie gespannt lässt. Für beide Optionen gibt es gute Gründe. Daher ist von schnellen Antworten abzuraten. Und die Euro-Partner tun gut daran, wenn sie eine sachliche Entscheidung zulassen, indem sie auf Druck verzichten.

Die Verfechter eines scharfen Schnitts erinnern an Irland. Das Beispiel beweise, dass Zauderer falschliegen können. Aber Irland ist nicht Portugal. Dublin verfügte beim Exit über mehr Finanzpuffer. Zudem befand sich das Land bereits im dritten Jahr des Aufschwungs. Der irische Frühling war nicht bloß gefühlt.

Ein Argument, das dieser Tage oft in Brüssel zu hören ist, lautet: Nur ein klarer Ausstieg verschont Portugal vor einer Stigmatisierung am Markt. Es könne doch nicht sein, dass man Portugal nicht zubillige, was man im Falle Irlands respektiert habe - nämlich den Wunsch nach politischer Selbstbestimmung ohne weitere Troika-Prüfungen. Allein, wer so argumentiert, muss erklären, wie er im Herbst mit Griechenland umgehen will - und ob er sich dann abermals, um eine Stigmatisierung zu vermeiden, auf einen Exit ohne Absicherung einlässt. Denn dass Hellas dann bereits ganz ohne Hilfe von außen auskommt - oder ohne indirekte Geldgeschenke, wie sie der Athener Regierung vorschweben - das kann man sich nicht mal im frühlingshaften Rausch vorstellen. Dazu braucht es schon einen tiefen, festen Sommernachtstraum.

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