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Talk statt Walk, Kommentar zur Geldpolitik der EZB von Mark Schrörs

Frankfurt (ots) - Wumms, das saß: Der EZB-Rat sei sich "einig", auch unkonventionelle Instrumente einzusetzen, um die Risiken einer zu lange dauernden Phase niedriger Inflationsraten zu entschärfen - inklusive groß angelegter Wertpapierkäufe (Quantitative Easing, QE)! Das war die zentrale Botschaft, die Notenbankchef Mario Draghi gestern unters Volk bringen wollte.

Wandelt die Europäische Zentralbank (EZB) also in Bälde auf den Pfaden der US-Notenbank und kauft in großem Stil Anleihen der Euro-Länder - trotz aller Bedenken der Vergangenheit, nicht zuletzt auf Seiten der Bundesbank? So mancher Marktakteur frohlockte sogleich. Ganz so weit aber scheint es nicht zu sein - und das ist auch gut so: Die EZB darf nicht überschießen.

Zunächst einmal: Gestern hat die EZB ihre Politik nicht gelockert - trotz immensen Drucks von außen. Man muss ihr gratulieren, dass sie sich nicht hat kirre machen lassen. Der Rückgang der März-Inflation auf nur noch 0,5% kann ihr nicht schmecken. Aber er erklärt sich teils mit Sonderfaktoren, die sich bereits im April umdrehen sollten. Eine Deflation erscheint weiter sehr unwahrscheinlich - auch weil sich die Euro-Wirtschaft berappelt.

Was aber soll dann das Gerede von weiteren unkonventionellen Mitteln, gar von QE? Die EZB bleibt damit ihrer Linie treu, die Botschaft zu verschärfen, dass sie zum Handeln bereit ist - in der Hoffnung, die Worte mögen es bereits richten: "Talk the Talk" statt "Walk the Walk". Mehr geht da jetzt aber nicht mehr.

Von zentraler Bedeutung ist nun, dass die Inflation im April anzieht - und der Euro nicht weiter aufwertet. Dann spricht vieles dafür, dass die Teuerung mittelfristig Richtung EZB-Ziel von knapp unter 2% marschiert. Also kein Grund zur Panik.

Sollte es doch anders kommen, muss die EZB aber genau überlegen, wie sie reagiert. Dann müsste sie auch die Politik stärker in die Pflicht nehmen, bei Reformen und Bankensanierung mehr zu liefern. Der Aufkauf von Staatsanleihen jedenfalls birgt viele Risiken und sollte allenfalls in Betracht kommen, wenn sich ein erhebliches Risiko einer Deflation ergibt. Der Aufkauf privater Papiere wie Kreditverbriefungen mag weniger heikel sein - stellte die EZB aber auch vor enorme Probleme und Risiken. Und was wäre es für ein Signal, wenn sie kurz vor Übernahme der Bankenaufsicht die Institute erstmal von Bilanzlasten befreit?

Die EZB sollte zudem daran denken, dass der irgendwann nötige Ausstieg aus der Krisenpolitik mit Aufkäufen um ein Vielfaches schwieriger würde als aktuell. Die derzeitigen Probleme der Fed sollten der EZB eine Lehre sein.

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