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Ein Risiko weniger, Kommentar zum Kirch-Vergleich der Deutschen Bank von Claus Döring

Frankfurt (ots) - Keine Bank der Welt und erst recht nicht die Deutsche Bank zahlt mal so eben fast eine Milliarde Euro, um eine unglückliche Interviewäußerung oder eine nur lästige Angelegenheit endlich aus der Welt zu schaffen. Vor ihren Aktionären kann die Bank die Vergleichszahlung von insgesamt 925 Mill. Euro nur rechtfertigen, wenn damit "Schlimmeres" verhindert wurde. Dieses "Schlimmere" drohte in der Tat am Ende des Schadenersatzprozesses vor dem Oberlandesgericht (OLG) München, in dem die Deutsche Bank bereits zur Zahlung verurteilt war, die Höhe aber noch nicht feststand.

Denn die Karten der Deutschen Bank in diesem seit zwölf Jahren laufenden zivilrechtlichen Poker hatten sich nach den letzten Durchsuchungen in der Bank, den daraus gewonnenen neuen Erkenntnissen und den geänderten Aussagen involvierter ehemaliger und amtierender Vorstände vor Gericht dramatisch verschlechtert. Das Risiko, vom OLG am Ende zu einer wesentlich höheren Schadenersatzzahlung an die Kirch-Seite verdonnert zu werden, war deutlich gestiegen. Entsprechend erleichtert gab man sich gestern in der Bank über den vereinbarten Vergleich, den der Vorstand noch vor zwei Jahren zu ähnlichen Konditionen abgelehnt hatte.

Selbst ein Erfolg der Nichtzulassungsbeschwerde der Bank zum OLG-Urteil beim Bundesgerichtshof, deren Entscheidung kurz bevorstand, hätte für die Deutsche Bank einen Pyrrhussieg bedeutet. Denn dann wäre die Kirch-Auseinandersetzung zum Schrecken ohne Ende geworden, hätte der Schadenersatzprozess vor dem Münchener OLG neu aufgerollt werden müssen - bei verschlechterter Position der Bank. Dies alles hat wohl vor allem Co-CEO Anshu Jain bewogen, die Causa Kirch mit ihren rund zwei Dutzend Verfahren durch den Vergleich endlich zu einem Ende zu bringen, zumal er persönlich - anders als sein CEO-Kollege Jürgen Fitschen und Vorstandsmitglied Stephan Leithner - nicht in die Sache verwickelt ist.

Die Geldzahlung freilich ist die leichtere Übung für die Bank in dieser Angelegenheit, zumal in Gestalt der nachträglichen Belastung des von den Märkten längst abgehakten Geschäftsjahres 2013. Da hatte die Bank schon ganz andere Summen zu verdauen.

Viel heikler für Vorstand und Aufsichtsrat der Bank ist dagegen die jetzt zum Thema werdende Regressforderung der Bank gegen ihren ehemaligen Vorstandssprecher Breuer. In Konstellation und möglicher Dimension ein Novum in Deutschland. Man kann sich die Diskussion hierzu in der nächsten Hauptversammlung schon ausmalen. Aber das betrifft die Vergangenheit. Sprengkraft für die Zukunft des um Kulturwandel bemühten Instituts bergen dagegen die strafrechtlichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ehemalige und amtierende Vorstände wegen uneidlicher Falschaussage und Prozessbetrugs. Denn diese Hypothek lässt sich durch kein Geld der Welt abtragen.

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