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Wie die EZB die Banken sieht, Kommentar zum Bilanztest von Bernd Neubacher

Frankfurt (ots) - Mehr und mehr gewinnt die Bilanzprüfung der EZB an Konturen und damit auch die Sichtweise der Notenbank auf Europas Bankensektor. Dass sich laut EZB unter den 29 Banken mit den "wichtigsten Handelsbüchern" auf ihrem Radar gleich neun deutsche Häuser finden, darunter die HSH Nordbank, nicht aber die Nord/LB, wer hätte das gedacht? Und dass sich die Prüfer einer Neubewertung der sogenannten Level-3-Assets der Banken annehmen wollen, darf als Fingerzeig dahin gelten, wo nach Einschätzung der künftigen Aufsicht Risiken drohen.

Überhaupt scheint Europas künftige oberste Bankenaufseherin Danièle Nouy entschlossen, dahin zu gehen, wo es wehtut, wenn sie etwa ankündigt, sich nach dem Bilanztest der Konsistenz der internen Modelle von Banken zur Berechnung des Eigenkapitalbedarfs zu widmen. Ebenso wie Nouy der Bilanzierung von Level-3-Assets ein hohes Risiko von Fehlbewertung attestiert, ist es unter Aufsehern Konsens, dass bankinterne Modelle zur Kalkulation der Eigenkapitalunterlegung gerade im Handelsbuch Gelegenheit bieten, Risiken kleinzurechnen. Fast könnte man meinen, die künftige Aufsicht kümmere sich endlich um all die Dinge, die Anlegern schon seit längerem im Magen liegen und die mit dafür sorgen, dass das Gros der europäischen Großbanken noch immer weit unter ihrem Buchwert notiert. Und lebt eine Aufsicht nicht vor allem auch von der Autorität, welche ihr zugeschrieben wird? Doch gemach: Ankündigen ist das eine, liefern das andere. So hat sich an einem internationalen Vergleich bankinterner Modelle zur Risikogewichtung auch schon der Baseler Ausschuss versucht, ohne das Vertrauen ins Verfahren wiederherstellen zu können. Nouy mag überzeugend auftreten. Viele Gelegenheiten aber, Fehler zu machen, hat sie noch nicht gehabt.

Fallen die Mindestkapitalvorgaben des Stresstests nun streng genug aus? In der Öffentlichkeit wird der Erfolg des Stresstests ohnehin allein daran gemessen werden, inwieweit er Ergebnisse vermeidet, welche die Realität - wie nach der Belastungsprobe 2011 - schon bald ad absurdum führen. Solange die beiden Stressszenarien nicht öffentlich sind, erübrigt sich die Frage ohnehin, denn mit Hilfe der unterstellten Schocks lässt sich die Schwere der Belastungsprobe noch beliebig kalibrieren. Die EZB deutet an, sie könnte, wenn schon nicht bei den Mindestkapitalanforderungen, so doch im bankaufsichtlichen Überprüfungsprozess noch draufsatteln. Zumindest den Fehler, vorschnell Hintertüren zuzuschlagen, begeht Nouy nicht.

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