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Position beziehen, Kommentar zum Brüsseler Auftritt von Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger als designiertes Mitglied im EZB-Direktorium, von Mark Schrörs.

Frankfurt (ots) - "Ich werde meine eigene Position haben." Auf die Formel hat es Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger jetzt gebracht, als es darum ging, ob sie als künftiges Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank die EZB-kritische Haltung von Bundesbankchef Jens Weidmann einnehmen oder den bisherigen Kurs der Notenbank unterstützen wird wie Jörg Asmussen, dem sie nachfolgt. Aber wie sieht diese Position aus? Das ist auch nach der Anhörung im EU-Parlament nicht genau klar.

Lautenschlägers Auftritt war spürbar geprägt vom Ziel, sich nicht zu sehr in die (geldpolitischen) Karten schauen zu lassen. Das ist nachvollziehbar: Sie wollte sicher nicht zerrieben werden zwischen aktuellem und neuem Arbeitgeber. Zudem war Geldpolitik bislang weniger ihr Feld; sie dürfte sich in vielen Fragen noch eine endgültige Meinung bilden müssen. Andererseits aber wird sie künftig Farbe zu bekennen haben - womöglich schneller, als ihr lieb ist.

Lautenschläger soll bei der EZB ins neue Bankenaufsichtsgremium einziehen. Dafür ist sie ohne Frage bestens geeignet. So mancher leitet daraus ab, Geldpolitik werde für sie weniger wichtig sein. Zuvorderst aber wird sie Teil des Direktoriums und des EZB-Rats sein. Sie wird also auch geldpolitisch ein klares Profil entwickeln müssen.

Ihr Auftritt in Brüssel legt nahe, dass sie die Linie der Bundesbank nicht völlig verlassen wird. Sie betonte die Risiken einer zu lange zu laxen Geldpolitik, äußerte sich zurückhaltend zu Staatsanleihekäufen und warnte davor, die Geldpolitik zu überfordern. Zugleich schien sie aber bemüht, den Eindruck von Fundamentalopposition zu vermeiden. Als Aufseherin hat sie gelernt, dass man mitunter pragmatisch sein muss. Europa ist zudem für sie eine Herzensangelegenheit.

Für EZB-Chef Mario Draghi wird es vermutlich dennoch zumindest nicht leichter, künftig die Reihen zu schließen, falls die Mehrheit im Rat angesichts niedriger Inflation und Kreditklemme in Südeuropa auf weitere Schritte drängt. Vergangene Woche hat Draghi etwa die Tür für ein "Quantitative Easing" à la Fed weit aufgemacht.

Einiges davon ist sicher Verbalakrobatik: Draghi betont, was die EZB alles tun könnte - in der Hoffnung, dass das dann gar nicht mehr nötig sein wird. Tatsächlich sind alle Optionen mit großen Risiken verbunden. Einige aber sagen, es brauche nicht mehr vieler Negativüberraschungen, um die Debatte selbst über extreme Schritte zu forcieren. Dann stellt sich für Lautenschläger die Frage: Wie hältst Du es mit der Geldpolitik? Und dann muss sie klare Position beziehen.

(Börsen-Zeitung, 15.1.2014)

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