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Cooks Comeback, Kommentar zu Apple von Sebastian Schmid

Frankfurt (ots) - Noch im Spätsommer hat es für Tim Cook, den Chief Executive von Apple, nach einem gefährlich enttäuschenden Jahr ausgesehen. Der Absatzanteil des iPhone-Anbieters ging in zahlreichen Märkten zurück. Sogar die Quartalsergebnisse blieben unter Vorjahresniveau. Um die Aktionäre zu besänftigen, wurden umfangreiche Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen versprochen. Dann beteiligte sich im August auch noch der aktivistische Investor Carl Icahn an dem Konzern aus Cupertino und forderte die Ausschüttung der kompletten Barreserve - auf Pump natürlich.

Ausgerechnet in dieser explosiven Gemengelage musste Apple den schwierigsten Generationswechsel beim iPhone seit dessen Einführung bewältigen: Das in die Jahre gekommene Betriebssystem iOS war nach der Trennung von Softwarechef Scott Forstall generalüberholt worden. Wie bei drastischen Wechseln üblich setzte es sofort heftige Kritik von Anwendern und Analysten. CEO Cook, der mehrere Treffen mit Icahn über sich ergehen lassen musste, die der Milliardär via Twitter an die Öffentlichkeit kommunizierte, sah plötzlich angezählt aus.

Die Ruhe, die der als zurückhaltend geltende Cook im Sturm der Kritik ausstrahlte, hat sich indes gelohnt. Ein hervorragender Herbst hat das Gros der Kritiker verstummen lassen. Das neue iPhone verkauft sich wohl besser als erwartet. Den Heimatmarkt USA dominiert Apple ohnehin. Noch besser laufen die Geräte derweil in Japan. Gemäß Kantar World Panel kam Apple dort im Oktober auf mehr als drei Viertel der Smartphone-Verkäufe. Neun der zehn meistverkauften Geräte tragen das Apple-Logo, hat ein japanischer Marktforscher ermittelt.

Enttäuschend war für den iPhone-Anbieter bis zuletzt nur das Reich der Mitte. In China kam Apple nur auf 6% Marktanteil. Die nun vereinbarte Partnerschaft mit China Mobile und der Zugang zu mehreren hundert Millionen Kunden dürften dies aber rasch ändern. Neben dem Vertragspartner könnte auch das Timing für Apple kaum besser gewählt sein. Zwei Wochen vor dem chinesischen Neujahrsfest gehen die iPhones bei China Mobile in den Verkauf. Da die Feierlichkeiten von üppigem Beschenken begleitet werden, ist ein erfolgreicher Start so gut wie sicher. Das dürfte auch das traditionell schwächere erste Quartal retten, das meist im Vergleich zum Weihnachtsgeschäft stark abfällt. Doch der beste Indikator, dass Apple auf dem richtigen Weg ist, dürfte Icahn sein. Der Milliardär hat seine Ausschüttungsforderung reduziert. Cooks Comeback ist geglückt.

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