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Werte- und Zinswertewandel, Kommentar zu den Bußen der EU für Zinsmanipulationen für sechs Banken, insbesondere für die Deutsche Bank, von Bernd Neubacher.

Frankfurt (ots) - Vom Wertewandel zum Zinswertewandel: Die Deutsche Bank propagiert "einen tiefgreifenden Kulturwandel", zugleich holen sie Fingereien im Handel mit Euro-Zinssatz- und Yen-Zinssatzderivaten ein. Die Summe von insgesamt 725 Mill. Euro, die das Institut im Zuge eines Vergleichs mit der Europäischen Kommission zahlt, wirkt hoch, entfallen auf die Bank damit doch 42% der insgesamt gegen acht Häuser verhängten Geldbußen. Sie wirkt niedrig im Lichte des Umstands, dass sie 12% der Erträge entspricht, welche die Bank im Bereich "Sales & Trading (Debt und sonstige Produkte)" in den ersten neun Monaten 2013 hereinholte.

Die Anleger stecken dies recht locker weg, weil der Vergleich laut Deutscher Bank "keine materiellen zusätzlichen Rückstellungen" erfordert. Das Management sorgte im dritten Quartal vor, was das Ergebnis beinahe pulverisierte. Ob die gut 4 Mrd. Euro, welche die Bank inzwischen für Rechtshändel zurückgestellt hat, sowie 1,3 Mrd. Euro an Eventualverbindlichkeiten reichen, um ihre juristischen Risiken abzudecken, ist damit nicht gesagt. Denn die Bank hat wenig Spielraum, ein Sicherheitspolster an Reserven anzulegen: Die Bilanzierungsregeln sehen Rückstellungen erst vor, wenn ein Risiko mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 50% eintritt.

Die Herren in der Vorstandsetage des Hauses dürften nun zwar aufatmen, weil die Bank Vorwürfe beigelegt hat, die den Ruf geschädigt haben wie kaum ein anderer Vorfall. Die Untersuchungen aber nehmen kein Ende. Beigelegt hat die Bank die EU-Kartelluntersuchung zu Zinssätzen - Verfahren der US-amerikanischen und britischen Behörden laufen noch, zivilrechtliche Schadenersatzklagen drohen überdies. Forderungen infolge früherer US-Hypothekengeschäfte misst die Bank ohnehin größere Bedeutung bei, was Ergebniseffekte angeht.

Dann ist da noch der jüngst aufgekommene Verdacht von Durchstechereien am Devisenmarkt sowie beim Londoner Gold-Fixing. Interne Untersuchungen der Deutschen Bank förderten bisher keine Verfehlungen des Instituts zutage, auch hat die Finanzaufsicht fürs Erste keinen Anhaltspunkt für Fehlverhalten deutscher Häuser. Nach dem Zinsskandal aber wird es die Deutsche Bank schwer haben, einen Wertewandel zu vermitteln, solange die Behörden ihre Untersuchungen nicht ohne Befund abschließen. Das Institut hat eine Etappe hinter sich gebracht beim Vorhaben, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Um einen Schlussstrich zu ziehen, ist es zu früh - dies gilt für Belastungen des Ergebnisses und der Reputation.

(Börsen-Zeitung, 5.12.2013)

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