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Beim Dax ist noch mehr drin, Marktkommentar von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) - Nach mehreren Anläufen ist es am Freitag nun endlich geschehen: Erstmals in seiner Geschichte ist der Dax mit einem Allzeithoch von 9010,65 Punkten über die Marke von 9000 Zählern geklettert. Der deutsche Leitindex hat damit in einem durchaus schwierigen Umfeld seit Jahresanfang rund 18% zugelegt - trotz einer zumindest im ersten Halbjahr noch am Boden liegenden europäischen Konjunktur und trotz nach wie vor existierender Risiken der Schuldenkrise.

Für den Höhenflug nicht nur des deutschen Aktienmarktes, sondern auch der europäischen und amerikanischen Börsen - der US-Benchmark-Index Standard & Poor's 500 (S&P 500) hat dieser Tage auch ein Allzeithoch erreicht - gibt es einen Hauptgrund. Den Notenbanken unter Führung der Federal Reserve (Fed) gelingt es offensichtlich nicht, die massive Flutung des Finanzsystems und der Märkte mit Liquidität auch nur leicht einzuschränken. An der Wall Street wird bereits gewitzelt, dass aus "QE 3", also der dritten Runde des "Quantitative Easing", längst "QE E" geworden ist, wobei der letzte Buchstabe für "Eternity" bzw. "Ewigkeit" steht.

Temporärer Kompromiss

Als nächster halbwegs realistischer Zeitpunkt für eine Einschränkung des pro Monat 85 Mrd. Dollar schweren Bondkaufprogramms wird nun das zweite Quartal 2014 gehandelt - sofern bis dahin nichts dazwischenkommt wie beispielsweise ein neuer Haushaltsstreit in Washington. Da der aktuelle Kompromiss von Demokraten und Republikanern im Kongress zur Finanzierung der US-Regierung und zur Anhebung der Schuldengrenze nur bis Ende Januar bzw. Mitte Februar hält, ist es recht wahrscheinlich, dass die beiden US-Parteien in einem neuen Konflikt wieder die amerikanische Volkswirtschaft in Geiselhaft nehmen, mit der Folge, dass die Fed ihr "Tapering" erneut verschieben muss.

Zuletzt hatten in der gerade beendeten Handelswoche enttäuschende Arbeitsmarktzahlen Dax und S&P 500 angetrieben. Dabei handelt es sich im Grunde um eine leicht perverse Reaktion der Marktteilnehmer: Eine Konjunktur, die schwächer ist als erwartet, die aber die Fortsetzung der Liquiditätsspritzen der Fed sichert, ist willkommener als eine starke Konjunkturentwicklung, wie sie in normaleren Zeiten Motor von Börsenhaussen gewesen wäre.

Die Unterstützung der Fed, aber auch eine sich inzwischen rund um den Globus verbessernde Konjunkturlage dürften die Basis für eine Fortführung der Hausse sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass es im laufenden Jahr zu einer Jahresendrally kommt, ist in letzter Zeit deutlich gestiegen.

Lieblinge der Investoren

Dafür sprechen auch die Bewertungsniveaus, die zumindest in Europa noch nicht in luftige Höhen gestiegen sind. So wird der Dax auf Basis der Gewinnschätzungen für 2013 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13,5 bewertet (vgl. Grafik). Damit ist der Dax zwar spürbar teurer als am Jahresanfang, als er lediglich auf ein KGV von 11,1 kam. Der US-Aktienmarkt ist mit einem KGV des S&P 500 von derzeit 16,1 jedoch deutlich anspruchsvoller bewertet als Dax und Euro Stoxx 50. Insofern verwundert es auch nicht, wenn europäische Dividendentitel derzeit zu den Lieblingen von institutionellen Investoren rund um den Globus zählen. Es ist daher davon auszugehen, dass sich die seit Juli kräftigen Mittelzuflüsse in den Dax auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Viele Analysten trauen dem Braten momentan jedoch noch nicht so ganz. Sie halten es für möglich, dass es zwischenzeitlich zu einer deutlichen Korrektur kommen könnte. Allerdings zeigt die Erfahrung der vergangenen Monate, dass Korrekturen im gegenwärtigen Marktumfeld nur von kurzer Dauer sind und sehr verhalten ausfallen.

Die Aktienrally dürfte so lange weitergehen, wie die Notenbanken ihre aktuelle Geldpolitik beibehalten. Die wichtigste Eigenschaft eines Aktienmarktstrategen wird daher in den kommenden Monaten zweifellos die Fähigkeit zur Fed-Kaffeesatzleserei sein.

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