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Befreiungsschlag, Kommentar zu Haniel von Annette Becker

Frankfurt (ots) - Getreu dem Motto, was stört mich mein Geschwätz von gestern, trennt sich der Traditionskonzern Haniel nun doch komplett von seiner Celesio-Beteiligung. Dabei hatten die Duisburger noch im November 2012 im Zuge des Teilrückzugs bei dem Pharmagroßhändler beteuert, Celesio bleibe ein "langfristiges Ankerinvestment". Selbst im Mai, als erste Verkaufsgerüchte zu sprießen begannen, folgte ein hartes Dementi. Doch Sentimentalitäten - Celesio gehört immerhin seit 40 Jahren zum Portfolio - haben in Duisburg keinen Platz mehr, was zählt, ist die Rendite.

Und Stephan Gemkow, der als externer Manager seit August 2012 die Geschicke des Familienkonzerns lenkt, hat dabei offensichtlich freie Hand. Zum einen trotzte er den Familiengesellschaftern einen Dividendenausfall ab - ein bis dato einmaliger Vorgang in der über 250-jährigen Firmengeschichte. Zum anderen ließ er der Ankündigung zum Schuldenabbau auch Taten folgen. Kein leichter Schritt, gingen die ersten 7 Millionen Celesio-Aktien im vergangenen Jahr doch nur zu 12,60 Euro über den Tisch und damit nahe am niedrigsten Kurs der vergangenen Dekade.

Doch der Strategieschwenk hat sich ausgezahlt, muss McKesson heute doch fast das Doppelte berappen. Auf 40 Jahre gerechnet soll die Celesio-Beteiligung letztlich sogar eine niedrige zweistellige Jahresrendite abgeworfen haben.

Das aus Haniel-Sicht Entscheidende ist jedoch, dass ein Befreiungsschlag gelungen ist. Denn Haniel ist sechs Jahre nach der milliardenschweren Fehlinvestition bei Metro wieder handlungsfähig - im Sinne einer aktiven Portfoliogestaltung. Rein rechnerisch ist der Schuldenberg komplett abgetragen, auch wenn nur ein Teil des Verkaufserlöses von knapp 2 Mrd. Euro zur Schuldentilgung verwendet wird.

Die finanzielle Sanierung ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Jetzt geht es darum, das Geld auch renditebringend einzusetzen. Gesucht werden dabei mittelständische Unternehmen, die neben Geschäften mit Zukunftspotenzial auch über eine gute Ausgangslage in den sogenannten Wachstumsmärkten verfügen. Zupass kommt Haniel dabei, dass mit den Vorarbeiten schon 2010 begonnen wurde, hatte der damalige Vorstandschef des Familienkonzerns, Jürgen Kluge, doch eine Liste mit 200 potenziellen Übernahmekandidaten durchforsten lassen. Dass dabei ein paar Kandidaten auf der Shortlist landeten, ist anzunehmen. Jetzt braucht es "nur noch" das richtige Gespür.

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