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Datenklau 1.0, Kommentar zu Vodafone von Stefan Paravicini

Frankfurt (ots) - Bei Vodafone werden die Daten von zwei Millionen Personen und Unternehmen entwendet, und doch ist man als Zeitgenosse wenig indigniert: Keine Schlapphüte von Geheimdiensten weit und breit. Keine klandestine Operation zur Terrorabwehr steckt hinter einem der bislang größten Fälle von Diebstahl privater Kundendaten in Deutschland. Ein IT-Administrator von einem externen Dienstleister, der für den britischen Telekomkonzern in Deutschland tätig ist, hat die Tür zu den auf Servern in Deutschland gespeicherten Daten "von innen aufgeschlossen", heißt es bei Vodafone.

Das ist schlimm genug und kann den Betroffenen - darunter auch frühere und potenzielle Geschäftsverbindungen von Vodafone - empfindliche finanzielle Schäden verursachen. Zwar betont der Konzern, der derzeit gerade dabei ist, Kabel Deutschland zu übernehmen, dass der bereits ausgeforschte mutmaßliche Täter nur an sogenannte Stammdaten wie Namen, Adressen und Bankverbindungen gelangt ist, mit denen noch kein Zugriff auf Konten und Kreditkarten möglich ist. Doch wer immer mittlerweile über diese Informationen verfügt, kann die fehlenden Daten mit gezielten Phishing-Attacken ergänzen. Von einer Weitergabe an Dritte ist laut Vodafone zwar nichts bekannt, sie wird von den ermittelnden Behörden aber auch nicht ausgeschlossen.

Von der Chuzpe und der kriminellen Energie des mutmaßlichen Täters einmal abgesehen wird der Datenklau bei Vodafone die meisten nicht unmittelbar Betroffenen dennoch kaltlassen. Die Fähigkeit zum Staunen ist in Verbindung mit Angelegenheiten des Datenschutzes in den vergangenen Wochen jedenfalls vielen abhandengekommen.

Nicht nur weil beinahe jeden Tag aus den Dossiers des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden wohldosierte Details darüber bekannt werden, wie Nachrichtendienste den Datenschutz mit Füßen treten. Auch die alltäglichen Unternehmensnachrichten gerade von IT- und Telekomkonzernen nähren den Verdacht, dass deren Möglichkeiten zur Speicherung, Zusammenführung und Analyse von Daten die Fantasie von Datenschützern und Gesetzgebern längst überschritten haben.

Die Bedrohungslage für Daten von Privaten und von Unternehmen ist unübersichtlich geworden. Die von Vodafone eingerichtete Internetseite, auf der sich Kunden ausgerechnet per Eingabe ihrer Bankverbindung über die eigene Betroffenheit kundig machen können, geriet prompt in den Verdacht, selbst ein leichtes Ziel für Cyber-Angreifer zu sein.

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