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Wechsel ohne Schwung, Kommentar zum Führungswechsel bei der Kodex-Kommission, von Sabine Wadewitz.

Frankfurt (ots) - Der Kodex-Kommission hätte man einen Führungswechsel mit mehr Schwung gewünscht. Dass nun der ehemalige Daimler-Manager Manfred Gentz den Vorsitz von Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller übernehmen soll, ist eine solide Lösung. Ein Signal zur Neubelebung der Selbstregulierung der Corporate Governance ist es leider nicht.

Gentz ist eine anerkannte Persönlichkeit und als verantwortlicher Manager bekannt. Doch ihm fehlt die Rückendeckung eines großen Konzerns und die Vernetzung in der Szene, nachdem der 71-Jährige im vergangenen Jahr seine verbliebenen Posten an der Spitze des Aufsichtsrats der Deutschen Börse und des Verwaltungsrats der Zurich Financial Services abgegeben und sich auf seine Ehrenämter zurückgezogen hat. Die Tätigkeit in der Kodex-Kommission gehört zwar auch in diese Kategorie, doch der Vorsitzende hat traditionell die Kosten für die Geschäftsstelle, die jährliche Konferenz und die Publikationen zu tragen - obwohl es sich um ein von der Bundesregierung eingesetztes Gremium handelt.

Die noch nicht offiziell bestätigte Bestellung von Gentz deutet denn auch darauf hin, dass eine alternative Finanzierungslösung gefunden worden ist, mit der die Kosten, wie vielfach gefordert, in einer Umlage oder ähnlichem Verfahren in der Wirtschaft verteilt werden. Das wäre folgerichtig, muss doch die fehlende Alimentierung als Konstruktionsfehler des Kodex betrachtet werden, den es endlich zu beheben gilt. Staatliche Mittel wären keine Alternative, denn die Politik würde es sich dann nicht nehmen lassen, kräftig hineinzufunken. Damit wäre die Idee der Selbstregulierung gescheitert.

Gentz hat den Vorteil, dass er seit 2006 in der Kommission sitzt. Er hat sich jüngst mit den neuen Transparenzregeln zur Vorstandsvergütung als Leiter der zuständigen Kodex-Arbeitsgruppe Verdienste erworben. Dennoch muss er in der Öffentlichkeit als zweite Wahl und Übergangslösung gelten, wurde doch schon seit vergangenem Jahr nach einem Nachfolger für Müller gesucht. Keine namhafte Persönlichkeit von außen hat sich bereit erklärt.

Der unprofessionelle Wechsel macht den Anfang für Gentz nicht leicht. Dies wiegt um so schwerer, als der Kodex nach prominenten Abgängen und schwindender Unterstützung aus dem Dax-Universum angezählt und ein Neuanfang zu bewältigen ist. Immerhin aber kann Gentz anders als seine beiden Vorgänger nicht in den Ruch kommen, Wasser zu predigen und Wein zu trinken.

(Börsen-Zeitung, 13.8.2013)

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