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Profil meiden, Kommentar zum Quartalsergebnis von Goldman Sachs, von Sebastian Schmid.

Frankfurt (ots) - Goldman-Sachs-CEO Lloyd Blankfein dürfte sich zwar über die Gewinnverdopplung im abgelaufenen Vierteljahr freuen. Zu seinem Unmut wird er derzeit aber auch mit der unrühmlichen jüngeren Vergangenheit der Bank konfrontiert. In New York ist der Prozess gegen den ehemaligen Goldman-Händler Fabrice Tourre - auch bekannt als "Fabulous Fab" - gestartet. Damit wird eines der unangenehmsten Kapitel der Goldman-Geschichte neu aufgeschlagen - knapp drei Jahre nachdem es mit einer Zahlung über 550 Mill. Dollar vermeintlich geschlossen wurde.

Da Tourre - anders als die Bank - damals wie heute keine Schuld eingestehen wollte, wird der Handel mit Collateralized Debt Obligations (CDO) zum Nachteil einiger Investoren nun vor Gericht durchgekaut. Welche Rolle die Bank dabei gespielt haben soll, dürfte so erneut zur Sprache kommen. Letztlich bleibt Tourres Verteidigung nichts anderes übrig, als die Verantwortung der Institution zuzuschieben, für die er gearbeitet hatte. Die Bank, die ihren Imageschaden zumindest in den USA weitgehend im Griff wähnte, wird damit einmal mehr ins Scheinwerferlicht gerückt.

Kein Wunder, dass die Aussagen des Managements zum abgelaufenen Quartal vor allem defensiv ausfielen. Blankfein sprach nur von einem "soliden" Quartal. Finanzchef Harvey Schwartz betonte derweil, dass man vor allem konservativ plane und die Stabilität der Kapitalstruktur oberste Priorität habe. Nichts kann Goldman derzeit weniger gebrauchen als den Eindruck, man trauere alten Zeiten nach, die nun durch den Tourre-Prozess in Erinnerung gerufen werden.

Der Quartalsbericht ist indes nur bedingt geeignet, diesen möglichen Eindruck zu zerstreuen. So stammt das Gros der Ergebnissteigerung aus eigenen Investitionen, deren Erträge sich auf 1,4 Mrd. Dollar nahezu versiebenfachten. Bezogen auf die gestiegenen Kapitalvorgaben scheint Goldman überdies noch Arbeit vor sich zu haben. Zwar wies die Bank nicht aus, wie hoch die Leverage Ratio derzeit ist. Die Ansage von Schwartz, man werde die Kapitalstruktur nicht basierend auf Diskussionen ändern, deutet aber darauf hin, dass die Bank hier noch Nachbesserungsbedarf sieht, den man - wenn möglich - gerne vermeiden würde. Eine konkrete Ansage, wie viel zusätzliches Eigenkapital nötig ist, wie zuvor durch Citigroup und J.P.Morgan erfolgt, gibt es bei Goldman derweil nicht. Die früher so offensiv auftretende Investmentbank scheint derzeit noch immer darauf bedacht, nicht zu viel Profil zu zeigen - zumindest bis der Prozess vorbei ist.

(Börsen-Zeitung, 17.7.2013)

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