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Wunschdenken, Kommentar zur Federal Reserve von Sebastian Schmid

Frankfurt (ots) - US-Notenbankchef Ben Bernanke spricht, und die Märkte brechen ein. Zwar hat sich an der Fed-Politik (noch) nichts geändert. Der Wachstumsausblick für 2013 wurde sogar ein zweites Mal in Folge gesenkt. Für 2014 zeigt sich der Fed-Chairman aber optimistischer - so viel optimistischer, dass er ein mögliches Ende des Anleihekaufprogramms "Quantitative Easing 3" schon für Mitte 2014 ankündigt, sollten sich US-Wirtschaft und Arbeitsmarkt so entwickeln, wie die Fed erwartet. Der Markt reagierte auf die Aussicht wie ein Junkie, dem das nahende Ende seiner Suchtmittelvorräte bewusst wird: panisch. Dow Jones Industrial und S&P500 brachen Mittwoch und Donnerstag ein.

Die Angst der Investoren ist verständlich. Nachdem die Fed ihre Ankäufe von Hypothekenpapieren und US-Staatsanleihen am 12. Dezember auf monatlich 85 Mrd. Dollar mehr als verdoppelt hatte, waren die Kurse binnen weniger Monate prozentual zweistellig gestiegen. Zieht man die Erfahrungen aus den beiden vorangegangenen Anleihekaufrunden heran, könnten sich diese Zugewinne binnen kürzester Zeit verflüchtigen, wenn die Fed die Liquiditätsspritzen einstellt.

Dass dies noch 2013 passiert, scheint vielen Marktteilnehmern bereits ausgemacht - auch weil die Fed ihren Ausblick für 2014 noch einmal deutlich angehoben hat. Woher der Optimismus kommt, ist allerdings nicht ganz klar. So wird die Arbeitslosenquote Ende 2014 in der Mitte der Spanne nun mit 6,65% prognostiziert - 40 Basispunkte niedriger als die Schätzung vom Dezember 2012, als die Fed ihre Anleihekäufe wegen der schlechten Arbeitsmarktaussichten mehr als verdoppelt hatte.

Ist in der Zwischenzeit etwas passiert, dass die Lage fundamental verbessert hat? Die Arbeitslosenquote ist zwar von 7,8% auf 7,6% gesunken. Zugleich hat die Notenbank die Wachstumsaussichten der USA für das laufende Jahr von bis zu 3,0% auf maximal 2,6% zurückgenommen. Selbst die Mitte der neuen Spanne impliziert für das zweite Halbjahr eine Ausweitung der Wirtschaftstätigkeit um fast 3%. Eine enorme Steigerung zum aktuellen Quartal. Viele Ökonomen - darunter Jan Hatzius von Goldman Sachs - rechnen mit weit weniger Wachstum und einer geringeren Verbesserung der Arbeitslosenquote. Bernanke kann es wohl egal sein, sollten die optimistischen Prognosen einmal mehr nicht eintreffen. Im neuen Jahr wird er ohnehin abgelöst. Mit den jüngsten Aussagen hat er seinem Nachfolger zumindest einen Pfad aus dem Anleihekaufprogramm gewiesen - wie viel Wunschdenken darin letztlich auch enthalten sein mag.

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