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Inflationsrate bremst Falken, Kommentar zu den Erwartungen an die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank, von Sebastian Schmid.

Frankfurt (ots) - Die Erwartung, die US-Notenbank Fed werde ihr umfangreiches Anleihekaufprogramm über 85 Mrd. Dollar in den nächsten Monaten drosseln, hat die Volatilität der Aktienmärkte in die Höhe schießen lassen. Ausschläge in dreistelliger Basispunkthöhe an mehreren Tagen in Folge waren zuletzt keine Seltenheit. Darin zeigt sich die hohe Nervosität der Investoren, die mit einer beispiellosen Rally von der expansiven Geldpolitik profitiert haben.

Die meisten Volkswirte rechnen zwar damit, dass Fed-Chef Ben Bernanke in seiner Erklärung im Anschluss an die Sitzung des Offenmarktausschusses am heutigen Mittwoch Vorbereitungen für einen schrittweisen Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm konkretisieren könnte. Zugleich steigen aber auch die Hoffnungen einiger Analysten, "Helikopter-Ben" werde die Geldschleusen wegen der zuletzt gesunkenen Inflationsrate weiter offen halten.

Die US-Wirtschaft sendet derweil gemischte Signale, die sowohl Argumente für Falken wie auch für Tauben in der Fed liefern. So ist die Kerninflationsrate mit 1,7% zwar nicht mehr auf dem besorgniserregend niedrigen Niveau des Vorjahres, als sie 1,2% betrug. Sie hat sich aber wieder weiter von der Zielrate von 2% entfernt und liefert damit keine Argumentationshilfe, die expansive Geldpolitik zu beenden. Der Häusermarkt zeigte zwar Verbesserungen. Allerdings fielen diese weit geringer aus als erwartet. Auch die Industrieaktivität schwächt sich eher ab. Einige Bankökonomen erwarten vor diesem Hintergrund bereits eine Absenkung der Wachstumserwartungen für das laufende Jahr durch die Fed - nicht unbedingt eine solide Basis, um eine Drosselung der Anleihekäufe anzukündigen. Zumal auch die Inflationserwartung für 2013 geringer als bislang prognostiziert ausfällt.

Letzteres dürfte vor allem für Bernanke ein rotes Tuch sein. Der Notenbankchef hat sich mehrfach besorgt über deflationäre Tendenzen geäußert und dürfte daher nicht geneigt sein, das ohnehin schon fragile Wachstum der US-Wirtschaft zu riskieren, nur um im gleichen Zug eine Deflation loszutreten. Allerdings befindet sich Bernankes Zeit an der Fed-Spitze wohl in ihren letzten Zügen. Präsident Barack Obama, der ihn für eine dritte Amtszeit ab Januar 2014 vorschlagen müsste, erklärte am Wochenende, Bernanke sei bereits länger Chairman, als dieser "wollte und sollte". Als "Lame Duck" dürfte es dem Notenbankchef schwerfallen, seinen Kurs gegen die Falken in der Fed durchzusetzen - die von ihm so gefürchtete geringe Inflationsrate ist dabei noch sein größter Unterstützer.

(Börsen-Zeitung, 19.6.2013)

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