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Was wollt ihr denn? Kommentar zur Lufthansa von Peter Olsen

Frankfurt (ots) - Es hätte wohl an ein Wunder gegrenzt, wäre es bei der Deutschen Lufthansa bis zur Hauptversammlung am 7. Mai in Köln in Sachen Corporate Governance ruhig geblieben. Zu heftig waren just vor einem Jahr die Attacken auf den früheren Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber gewesen, der jetzt nach zweijährigem Cooling-off "Mr. Lufthansa" Jürgen Weber an der Spitze des Aufsichtsrats ablösen soll.

Alles, was der führenden deutschen Airline derzeit Probleme bereitet, wie die zum Teil veraltete Flotte und die verlustreichen Töchter Brussels und AUA, wird der Ägide Mayrhuber zugeschoben. Die jetzt in einem anonymen Schreiben angeblicher leitender Angestellter und Manager der Lufthansa erhobenen Vorwürfe sind dabei alle nicht neu, zum Teil verkennen sie auch die Verantwortlichkeiten. "Der anonyme Brief spiegelt nicht die Stimmung im Management wider. Wir gehen auch nicht davon aus, dass dieser von Mitarbeitern verfasst wurde. Dazu enthält er zu viele faktische Fehler", lässt die Lufthansa verlauten.

Wer auf Mayrhuber verbal eindrischt, trifft seinen Vorgänger Weber, der sich schon mitten im Sturm vor einem Jahr eindeutig positionierte und Mayrhuber als seinen Wunschkandidaten für den Aufsichtsratsvorsitz bezeichnete. "Wir brauchen in diesem Amt einen Branchenkenner. Das ist Mayrhuber", sagte seinerzeit Weber im Interview der Börsen-Zeitung. Die anonymen Kritiker dieser Nachfolgeregelung müssen sich vor diesem Hintergrund getreu dem Maoam-Werbespruch fragen lassen: Was wollt ihr denn? Wie sieht eure Alternative zu Mayrhuber aus?

Dass in der derzeit von Turbulenzen um das Spar- und Effizienzsteigerungsprogramm Score geprägten Lufthansa so mancher aus eigener Betroffenheit geneigt sein könnte, Zwietracht zu säen, mag verständlich sein. Dass mit einem anderen Aufsichtsratsvorsitzenden als Weber-Nachfolger aber ein anderer, angenehmerer Kurs bei der Lufthansa eingeschlagen werden könnte, kann ausgeschlossen werden. Dazu haben sich Management und der noch amtierende Aufsichtsratschef zu sehr der nachhaltigen und schmerzhaften Kurskorrektur verpflichtet.

Natürlich bleibt es insbesondere Investoren unbenommen, ihre Möglichkeiten der Einflussnahme zu nutzen, um einen ihnen genehmeren Kandidaten für die Aufsichtsratsspitze vorzuschlagen. Gelegenheit dazu gäbe das nächste Aktionärstreffen. Ein Blick auf die Investor-Relations-Seite der Airline aber zeigt: "Zugänglich zu machende Gegenanträge und/oder Wahlvorschläge liegen derzeit nicht vor."

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