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Kurodas erster Streich, Kommentar zur Bank of Japan von Martin Fritz

Frankfurt (ots) - Die Überraschung ist dem neuen Gouverneur der Bank of Japan, Haruhiko Kuroda, gelungen. Seine Kurswende in Japans Geldpolitik fällt deutlich radikaler aus, als es der zuletzt skeptisch gewordene Finanzmarkt erwartet hatte. Außerdem konnte er alle Ratsmitglieder dazu bringen, seine Reformen einstimmig zu unterstützen. Unter Kuroda rückt Quantitative Easing in Japan erstmals ins Zentrum der Geldpolitik. Alle Wertpapierkäufe werden jetzt - anders als unter seinem Vorgänger Masaaki Shirakawa - auf der Bilanz der Notenbank gehalten. Statt auf den Leitzins fokussiert der neue Zentralbankchef seine Maßnahmen auf die Verdoppelung der Geldbasis. Er kauft Staatsanleihen mit längeren Restlaufzeiten als drei Jahren, um die Zinsen am langen Ende zu senken, und verzichtet auf den wenig wirksamen Erwerb von Schatzanweisungen.

Mit diesem ersten Streich signalisiert Kuroda eine Geldpolitik des Alles oder Nichts. Solche Entschlossenheit haben viele Marktteilnehmer bisher vermisst. Allein das Wissen, dass Kuroda sein Inflationsziel von 2% unbedingt in zwei Jahren erreichen will und dafür die Durchsetzungskraft zu haben scheint, dürfte die Inflationserwartung in der Wirtschaft schüren. Die rotierende Notenpresse wird den Yen schwächen und japanische Anleger dazu verführen, ihr Geld im Ausland anzulegen. Wie schon Mitte des vergangenen Jahrzehnts könnte es zu einer Abwertungsspirale beim Yen kommen, die Japans Unternehmen eine Export-Offensive ermöglicht. Das ist ohnehin das heimliche Ziel der neuen Geldpolitik. Die Beseitigung der Deflation liefert nur den Deckmantel.

Doch Kuroda ist kein Hasardeur. Seine Geldpolitik bleibt konventionell, weil er vor allem Staatsanleihen kauft. Seine Kaufziele für Risiko-Papiere sind bislang eher bescheiden. Ausländische Bonds will die neue Führungsriege nicht erwerben. Zu Recht würde man ihr schamlose Währungsmanipulation unterstellen. Auch negative Leitzinsen sind vom Tisch. Dennoch kann Kuroda bis Ende 2014 noch einige Schippen drauflegen, falls die Preise nicht anziehen sollten.

Nun muss Premierminister Shinzo Abe beweisen, dass auch er Reformen umsetzen kann. Ein erster Anfang ist gemacht: Japan verhandelt mit Europa, China, Südkorea und den Pazifikanrainern über mehr Freihandel. Der Strommarkt wird bis 2018 liberalisiert. Doch ohne Einschnitte bei den Renten, eine Öffnung des Arbeitsmarktes und einen Verschuldungsstopp kann Japans Renaissance nicht gelingen.

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