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Wieder im Krisenmodus, Marktkommentar von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) - Risiko-Assets und unter ihnen insbesondere Aktien haben in den ersten drei Monaten des Jahres die Nase vorne gehabt. Doch von einem "Risk-on"-Quartal kann nach den jüngsten Entwicklungen in Europa nur noch bedingt die Rede sein. Hatten die Märkte - mit Ausnahme der frühzeitig reagierenden Peripherie-Staatsanleihen - auf die Korruptionsvorwürfe gegen den spanischen Premierminister Mariano Rajoy und das politische Patt in Italien noch gelassen reagiert, haben sie kurz vor dem Ende des Quartals mit der Zuspitzung der Lage in Zypern wieder in den Krisenmodus umgeschaltet. Dadurch musste der Dax seinen Versuch, bei 8151 seinen Rekord aus dem Jahr 2007 zu brechen, einstellen.

Allerdings sollte die Entwicklung auch nicht überbewertet werden. In der seit dem vergangenen Sommer anhaltenden Rally hat der Dax bis zu 32% zugelegt. Daher ist eine Korrektur nur zu normal. Dabei hatte er sich mit 12,7 bis an die Obergrenze von 13 herangearbeitet, die in den zurückliegenden Jahren für sein Kurs-Gewinn-Verhältnis Bestand hatte. Für den einen oder anderen Marktteilnehmer war Zypern wohl nicht mehr als ein Anlass, Gewinne zu sichern. Zypern ist zudem nicht so groß, dass man gleich fürchterlich erschrecken müsste. Wegen des Inselstaats allein ändern sich somit die fundamentalen Rahmenbedingungen für die Märkte nicht, sodass durchaus die Chance besteht, dass die Korrektur recht bald enden könnte. Entscheidend wird dafür unter anderem der Regierungsbildungsprozess in Italien sein. Gelingt es nicht, eine Regierung zu formen, die am fiskalischen Konsolidierungskurs im Grundsatz festhält, bleiben die Märkte im Krisenmodus. Italien und Spanien würden das mit einer weiteren Verteuerung ihrer Refinanzierung zu spüren bekommen. Aber auch in diesem Fall würden die Märkte nicht ins Bodenlose stürzen, weil die Europäische Zentralbank bereitsteht, um gegebenenfalls mit unlimitierten Staatsanleihekäufen einzugreifen.

Letzten Endes bleibt die Entwicklung von Konjunktur und Unternehmensgewinnen der entscheidende Faktor für den Dax und eine Überwindung der aktuellen Marktschwäche. Ein Rückgang der Einkaufsmanager-Indizes hat Zweifel an dem Szenario geschürt, dass die Wachstumsschwäche im Verlauf der zweiten Jahreshälfte überwunden wird und somit das recht hohe Niveau der Unternehmensgewinne gehalten bzw. bald auch wieder leicht gesteigert werden kann. Vor allem damit stehen und fallen die Chancen des Dax, in neue Dimensionen vorzustoßen.

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