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Keine Schadenfreude, Kommentar zur Lage bei Airbus nach der Pannenserie bei Boeing, von Gerhard Bläske.

Frankfurt (ots) - Mit 588 Auslieferungen und 914 neuen Bestellungen im vergangenen Jahr hat Airbus die Erwartungen übertroffen, musste aber erstmals seit neun Jahren wieder Boeing die Führungsposition im Markt überlassen. Eingebrochen ist jedoch der Boeing-Aktienkurs. Die Aktie der Airbus-Mutter EADS legte dagegen massiv zu.

Grund sind nicht die vorgelegten Zahlen, sondern die Pannenserie beim neuen Boeing-Flieger Dreamliner, die nun sogar zu einem weltweiten Flugverbot geführt hat - eine höchst seltene Maßnahme. Sollten wirklich sensible Bereiche betroffen sein und die Maschinen länger ausfallen, könnte es sehr teuer werden für die Amerikaner. Doch Airbus-Chef Fabrice Brégier empfindet keine Schadenfreude. "Wir sollten nicht auf die Probleme der Konkurrenten wetten, um den eigenen Erfolg zu sichern", sagt er bei der Vorstellung der Jahreszahlen in Toulouse.

So spektakulär die Pannen teilweise waren: Man sollte nicht vergessen, dass der Flugverkehr nie zuvor so sicher war wie heute. 2012 war das sicherste Jahr der Branche überhaupt. Aus Airbus-Sicht kommt aber hinzu, dass Sicherheitsprobleme eines Herstellers die gesamte Branche negativ treffen. Auch wenn der EADS-Aktienkurs also momentan nach oben geht: Unverdient von den Problemen der Konkurrenz profitieren will man in Toulouse nicht.

Der Wind kann sehr schnell drehen. Auch Airbus hatte schon Sicherheitsprobleme, etwa mit dem Großraumflieger A380. Die beiden Branchenriesen Airbus und Boeing, die die Branche immer noch beherrschen, kämpfen mit ähnlichen Schwierigkeiten. Die Komplexität und die Herausforderungen bei neuen Flugzeugen, für die neue Materialien, Elektronik und treibstoffsparende Triebwerke eingesetzt werden, wird immer größer und ist eine gewaltige logistische Herausforderung. Das Investitionsvolumen liegt bei mindestens 10 Mrd. Euro. Kein Hersteller hat es bisher geschafft, das Thema Lieferpünktlichkeit in den Griff zu bekommen und Nachbesserungen, die teilweise zu jahrelangen Verzögerungen führen und sehr teuer kommen, sind auch bei Airbus an der Tagesordnung, ob beim A380, beim Militärtransporter A400M oder beim Langstreckenflugzeug A350, bei dem man auch deutlich in Verzug ist und weitere Probleme nicht auszuschließen sind.

Die Hersteller sollten versuchen, realistischere Zeitpläne zu entwickeln, auch um hohe Kosten für Verzögerungen und Nachbesserungen zu vermeiden. Insofern müssen alle ihre Hausaufgaben machen.

(Börsen-Zeitung, 18.1.2013)

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