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Luxusprobleme, Kommentar zum BMW-Zwischenbericht, von Stefan Kroneck.

Frankfurt (ots) - Mit Blick auf die Volumenhersteller im europäischen Ausland sprach BMW-Chef Norbert Reithofer bei Vorlage der Zwischenbilanz Klartext: "Man sollte uns nicht in einen Topf werfen mit Unternehmen, die nicht so hohe Margen erwirtschaften wie wir." Das saß.

Während etwa PSA Peugeot Citroën und Fiat aufgrund ihrer allzu einseitigen Ausrichtung auf Europa besonders stark von der Finanz- und Staatsschuldenkrise gebeutelt sind, kämpfen die global ausgerichteten deutschen Hersteller hochpreisiger Fahrzeugmodelle mit Luxusproblemen. Klar, auch BMW, Audi und Mercedes-Benz Cars leiden unter der Rezession in den südeuropäischen Ländern. Aber das Trio kann diese Delle dank sehr guter Geschäfte in China locker überkompensieren. Wenngleich die Wachstumsdynamik im Reich der Mitte derzeit etwas nachlässt, für die Auto-Edelmarken aus München, Ingolstadt und Stuttgart ist das kein Grund, in Panik zu verfallen.

Die drei verdienten im ersten Halbjahr recht ordentlich, obgleich bei BMW und Audi aufgrund gestiegener Anlaufkosten für neue Modelle und modernere Antriebstechnologien (Stichwort: geringerer CO2-Ausstoß) die Umsatzrenditen im zweiten Quartal unter Druck gerieten. Mit operativen Margen von jeweils 11,6% (BMW und Audi) sowie etwas abgeschlageneren 8,6% (Daimler-Autosparte) operieren die deutschen Vorzeigeunternehmen aber auf einem Niveau, von dem die Kleinwagenproduzenten aus Frankreich und Italien nur träumen können.

Angesichts dieser guten Lage irritiert es schon, wenn die BMW-Konzernspitze sich beim Renditeausblick für das Gesamtjahr ziert. Keineswegs sollten die Konjunkturrisiken und hohen Entwicklungskosten ausgeblendet werden, aber die Anleger mit einer Prognose abzuspeisen, die weit unter der Markterwartung liegt, ist ein Schnitzer, der an der Börse bestraft wird. Die BMW-Stammaktie sackte nach den Halbjahreszahlen zeitweise um über 4% ab.

Die Marktreaktion wundert nicht, hat doch Finanzvorstand Friedrich Eichiner das Ziel 2012 einer operativen Rendite am oberen Ende der langfristigen Vorgabe von 8 bis 10% fürs Kernsegment nur bekräftigt. Da müsste schon einiges in der laufenden zweiten Jahreshälfte ins Rutschten geraten, damit BMW weit unter die Marke von 11% fällt - etwa in Form eines exogenen Schocks wie im Herbst 2008, als die Absatzmärkte wegbrachen. Ein solches Szenario ist nur wahrscheinlich, wenn die Europäischen Währungsunion auseinanderfällt. Oder hat etwa die BMW-Führung schon eine Vorahnung?

(Börsen-Zeitung, 2.8.2012)

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