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Schneller, höher, weiter, Kommentar zum Euro-Krisenmanagement von Detlef Fechtner

Frankfurt (ots) - Er wolle nicht Erwartungen schüren, hat Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker in seinem jüngsten Interview erklärt. Dieser Versuch ist ihm kräftig misslungen. Juncker hat nämlich ganz gewaltig daran Anteil, dass sich die Investoren nun sogar mehr erhoffen als ohnehin nach den Andeutungen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB). Nach Mario Draghis vielzitiertem Satz über "alles Erforderliche" waren die Erwartungen bereits hoch, dass sehr schnell mit einem Einsatz der EZB zu rechnen sei. Nach Junckers Einlassungen - "welche Maßnahmen wir ergreifen werden, entscheiden wir in den nächsten Tagen" - sind die Erwartungen noch höher, dass noch schneller mit Einsätzen zu rechnen sei, die noch weiter gehen - weit über bloße EZB-Anleihenkäufe hinaus, inklusive Euro-Schirm. Schneller, höher, weiter: Das Euro-Krisenmanagement scheint dieser Tage olympischen Vorsätzen zu folgen.

Das macht die ganze Sache vertrackter und riskanter, als sie es sowieso schon ist. Denn eigentlich war ja der Plan, den August zu überstehen, um Mitte September Entscheidungen zu treffen - ob Spanien zusätzliche Finanzhilfe braucht, unter welchen Bedingungen Zypern sein Hilfspaket erhält, ob Griechenland die nächste Tranche verdient. Und so weiter.

Für einen Aufschub bis September spricht einiges. Immerhin besteht dann die Aussicht, auf den dauerhaften und robusteren Euro-Schirm zurückgreifen zu können - nicht nur auf die provisorische EFSF, deren Kasse wohl kaum für ein großes Spanien-Paket ausreicht. Auch ist dann wieder das technische und politische Personal nach Brüssel und in die Hauptstädte zurückgekehrt, was wichtig ist, um Entscheidungen wirkungsvoll und professionell abstimmen und umsetzen zu können.

Nach Junckers jüngster Ansage freilich wird es schwer für die Krisenmanager, die Investoren auf September zu vertrösten. Diese wollen nun Taten sehen, vorzugsweise konzertiert. Das wiederum setzt einen Hilfeantrag Spaniens voraus, den die dortige Regierung aber gerade nach den Verlusten in aktuellen Meinungsumfragen verhindern oder hinausschieben möchte.

Die Euro-Spitzen haben sich insofern in eine Zwickmühle manövriert. Wenn weder EZB noch EFSF (auf Basis eines Hilferufs) mit Anleihekäufen starten, dürften die Risikoprämien wieder steigen. Und dann ist es irgendwann nicht mehr weit zu griechischen Verhältnissen. Dort lautet das olympische Motto längst nicht mehr: Schneller, höher, weiter. Sondern bescheidener: Dabei sein ist alles.

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