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Stunde der Wahrheit, Kommentar zum Gribkowski-Prozess von Stefan Kroneck

Frankfurt (ots) - Kurz vor dem sich abzeichnenden Prozessende hat Gerhard Gribkowsky doch noch sein Schweigen gebrochen. Das Geständnis des früheren Risikovorstands der BayernLB wirkt sich zwar etwas strafmildernd aus, dennoch muss der Angeklagte im Extremfall mit neun Jahren Gefängnis wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung rechnen. Nach zahlreichen Zeugenvernehmungen im nunmehr acht Monate dauernden Strafverfahren war für ihn die Beweislast offenbar zu erdrückend.

Der Fall Gribkowsky wirft ein Schlaglicht auf die BayernLB, wo in den oberen Führungsetagen wohl früher jeder machen konnte, was er wollte. Die Zahlung von 45 Mill. Dollar Schmiergeld von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone an den Ex-Risikovorstand im Zusammenhang mit dem Verkauf der Formel-1-Anteile ist ein weiteres unrühmliches Kapitel bei der Vergangenheitsbewältigung der BayernLB. Das Korruptionsverfahren und der angelaufene Zivilprozess gegen acht ehemalige BayernLB-Vorstände (darunter wiederum Gribkowsky) wegen des Desasters mit der Hypo Alpe Adria sowie der drohende Strafprozess in gleicher Sache nagen am Image der Münchener Landesbank, das nach der Rettungsaktion Ende 2008 ohnehin schwer angekratzt ist. Das Verfahren gegen Gribkowsky ist auch kein Ruhmesblatt für die Glaubwürdigkeit von Führungseliten. Einerseits.

Andererseits war die Stunde der Wahrheit vor der Strafkammer des Landgerichts München einer der bisher wenigen Triumphe für die deutsche Justiz in Wirtschaftsstrafprozessen. Das Gericht ließ sich nicht auf einen Kuhhandel mit der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft ein, wie es in anderen Fällen üblich ist. Das Landgericht München hat den Prozess bis zum Schluss durchgefochten. Das Auskunftsbedürfnis der Öffentlichkeit wurde somit befriedigt - anders als bei außergerichtlichen Vergleichen, wo die Wahrheit dann nie an Tageslicht gerät.

Trotz des nun bevorstehenden Urteils im Gribkowsky-Prozess ist die juristische Aufarbeitung von Ecclestones Bestechungsgeld damit aber immer noch nicht abgeschlossen. Da, wo jemand Schmiergeld entgegennimmt, muss auch jemand sein, der die dubiose Summe überweist. In diesem Fall gerät der umtriebige Brite immer stärker ins Fadenkreuz der Justiz. Denn nicht nur derjenige wird bestraft, der Schmiergeld entgegennimmt, sondern auch derjenige, der es gibt. Insofern müsste auch gegen Ecclestone ein Strafverfahren eingeleitet werden - kein guter Ausblick für den Rennzirkus als Milliardengeschäft.

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