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Unsicherheit und kein Ende, Kommentar zu den sich verschlechternden Stimmungsindikatoren für die deutsche Konjunktur, von Reinhard Kuls.

Frankfurt (ots) - Hatten die Stimmungsindikatoren für die deutsche Konjunktur wie das Ifo-Geschäftsklima, die Markit-Einkaufsmanager und auch die ZEW-Erwartungen in den vergangenen Monaten eher etwas widersprüchliche Signale gesendet, zeichnen sie für die größte Volkswirtschaft in der Eurozone nun wieder ein sehr einheitliches Bild. Leider haben sich die Indizes dabei aber auf ihrer niedrigsten Ebene getroffen.

Der Ifo-Index hatte sich seit Jahresbeginn auf überraschend hohem Niveau festgesetzt, während die Stimmung der Einkaufsmanager in der Industrie seit Jahresbeginn immer trüber wurde. Die vom Statistischen Bundesamt für das erste Quartal bekannt gegebenen Zahlen zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum schienen zunächst dem Indikator aus München recht zu geben. Nun hat dieser aber eine Korrektur nach unten in einem Ausmaß vollzogen wie sonst nur in den Krisenzeiten direkt nach der Lehman-Pleite.

Seit der vorhergehenden Befragung des Ifo-Instituts unter rund 7000 deutschen Unternehmen haben die praktisch konkursreifen Griechen eine reformenscheuende Mehrheit ins Parlament gewählt, die aber keine Regierung auf die Beine stellen konnte, so dass nun am 17. Juni neu gewählt wird - mit der Aussicht, dass a) bis dahin die lähmende Ungewissheit anhält und b) die Euro-Verweigerer noch mehr Zulauf erhalten könnten. Wenn man sich dies vor Augen führt, kann der Schreck darob, der sich im aktuellen Rückfall des Ifo-Indexes ausdrückt, nicht überraschen. Er erklärt die negativeren Urteile der Firmen zur aktuellen Konjunkturlage. Und wenn nun die ungleiche Lastenverteilung - solides Haushalten wird bestraft, Schlendrian belohnt - mittels unkonditionierter Vergemeinschaftung der Staatsschulden in der Eurozone zementiert werden sollte, hat die deutsche Wirtschaft, die an einer gesunden und nachhaltigen Aufwärtsentwicklung in ihren europäischen Absatzmärkten interessiert ist, allen Grund, weiter ängstlich zu sein. Zumal die für den deutschen Export inzwischen ja noch wichtigeren Schwellenländer ebenfalls Ermüdungserscheinungen zeigen.

Auch wenn für die deutsche Wirtschaft ein Euro-Austritt der Griechen verkraftbar wäre, wie die Bundesbank und der deutsche Bankenverband betonen, von einem Zuckerschlecken sprechen sie dennoch nicht. Und das wird es auch dann nicht, sollte in Athen eine reformorientierte Regierung an die Macht kommen. Die schmerzhaften Sanierungsanstrengungen bleiben ja immer erst noch zu erbringen - in Hellas wie in ganz Euroland.

(Börsen-Zeitung, 25.5.2012)

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