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Übertriebene Sorgen, Marktkommentar von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) - Auch wenn der Dax in der gerade beendeten Handelswoche mit einem Plus von 2,5% über fünf Tage gar nicht so schlecht abgeschnitten hat - die europäische Schuldenkrise hat sich mit Vehemenz zurückgemeldet. Die Bondmarktauktionen von als Wackelkandidaten angesehenen EU-Mitgliedern sind wieder zu Zitterpartien geworden, die Anleger fordern höhere Zinsen für die Staatsanleihen dieser Länder. Im Gegenzug ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen im Wochenverlauf auf ihren bisher niedrigsten Stand von 1,685% gefallen. Bei den als (weitestgehend) krisenfest geltenden deutschen Staatspapieren geben sich die Investoren mit Minimalrenditen zufrieden, um ihre Mittel sicher zu parken.

Die durch die beiden gigantischen Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank ausgelöste Beruhigung und Erholung der Märkte ist damit vorüber, Analysten und Anleger machen sich wieder erhebliche Sorgen. Auf große Resonanz an den Märkten stößt derzeit eine Studie der US-Großbank Citigroup. In diesem Papier sagen die Analysten des Instituts voraus, dass sich die Rating-Einstufungen vieler europäischer Staaten in den kommenden Monaten und Jahren weiter verschlechtern werden, was im Klartext heißt, dass ein Ende der Schuldenkrise nicht absehbar ist. Frankreich, so glauben die Analysten, könnte sein Aaa-Rating von Moody's bereits im Herbst einbüßen - worauf prompt Spekulationen die Runde machten, eine Herabstufung stehe möglicherweise schon unmittelbar bevor. Auf mittlere Sicht, so die Citigroup, werde die Gruppe der Staaten, die noch über ein Triple-A-Rating verfügen, kleiner. Allerdings hat Moody's jüngst erklärt, dass man derzeit nicht über ein Downgrade Frankreichs nachdenke.

An Griechenland erinnert

Schwerer wiegt noch, dass sich hinsichtlich der Lage Spaniens so mancher Marktteilnehmer an das Beispiel Griechenlands erinnert fühlt. So wird darauf hingewiesen, dass bei den Hellenen die Probleme erst so richtig angefangen hatten, als - wie jüngst bei Spanien - die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen auf ein Niveau von 6% geklettert waren, was das Land nicht mehr schultern konnte. Zudem wird Spanien in einer nur schwer zu bewältigenden Zwangslage gesehen: Muss das Land den Sparkurs verschärfen, verschlimmert sich die Rezession. Folge ist ein negativeres Sentiment der Investoren dem Land gegenüber, so dass die Refinanzierung des Staates über den Markt immer schwieriger wird. Lässt die Regierung hingegen in ihren Sparbemühungen mit Blick auf die schwierige konjunkturelle Lage nach, geht ebenfalls das Vertrauen der Anleger verloren.

Hinzu kommt ein Bankensektor, der langsam, aber sicher den Boden unter den Füßen verliert: Per Februar konnten 8,2% des gesamten von den Banken ausgereichten Kreditvolumens nicht mehr bedient werden. Vor einem Jahr war dieser Anteil nur halb so groß. Die Lage ist so verzweifelt, dass die Südeuropäer einen direkten Zugang ihrer Banken zu den Geldtöpfen des EU-Rettungsfonds fordern.

Trotz der zweifellos besorgniserregenden Entwicklung ist es aber keineswegs eine ausgemachte Sache, dass auch Spanien die Kontrolle über die Situation verliert und mit einem großvolumigen Paket gerettet werden muss. Dies wird wohl auch nach wie vor von vielen Marktteilnehmern so beurteilt - was sich an den Dax-Gewinnen der vergangenen fünf Handelstage ablesen lässt, wie auch an der Tatsache, dass sich der Euro erneut erstaunlich robust zeigt und bislang nicht aus seiner Handelsspanne nach unten ausgebrochen ist.

So darf nicht übersehen werden, dass die Staatsverschuldung Spaniens deutlich niedriger ist als die Griechenlands. Sie liegt aktuell und auch in den kommenden Jahren vermutlich auf einem Niveau von ungefähr 70% des Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: Deutschland kommt momentan auf eine Schuldenquote von knapp unter 80%. Und aufwändige Simulationsrechnungen, die die Analysten der Schweizer Großbank UBS jetzt durchgeführt haben, zeigen, dass das Land durchaus noch in der Lage ist, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Selbst eine angenommene umfassende Rettung der Banken im Volumen von 100 Mrd. Euro würde den spanischen Staat noch nicht in die Knie zwingen, so die Analysten.

Anlegern ist daher zu raten, die Lage zwar genau zu beobachten, aber dennoch vorerst Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu geraten. Die derzeit zu spürenden Sorgen erscheinen nämlich zumindest in Teilbereichen übertrieben.

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