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Ende mit Schrecken, Kommentar zur Deutschen Lufthansa von Lisa Schmelzer

Frankfurt (ots) - Die Bilanz von Christoph Franz nach seinem ersten Jahr an der Lufthansa-Spitze kann sich sehen lassen. Der Verlustbringer Lufthansa Italia wurde abgewickelt. Die Zusammenarbeit mit der günstiger produzierenden Tochter Germanwings hat Franz intensiviert und die Kostenbasis des eigenen Fluggeschäfts gesenkt. Mit dem nun vereinbarten Verkauf der Tochter British Midland (BMI) an den Konkurrenten International Airlines Group (IAG) zieht der Lufthansa-Chef zudem einen Schlussstrich unter ein unrühmliches Kapitel.

Nicht nur, dass der britische Ableger seit Jahren Miese macht. Die Lufthansa musste BMI 2009 unfreiwillig übernehmen, weil ihr ehemaliger Chef Jürgen Weber den Deal schon zehn Jahre vorher festgezurrt hatte. Damals sah die Luftfahrtwelt noch anders aus und die Aussicht auf zusätzliche Start- und Landerechte am Flughafen London-Heathrow genügte Weber, sich auf dieses Himmelfahrtskommando einzulassen. Diese "Slots" sind mittlerweile das einzige werthaltige Asset, das BMI im Gepäck hat, und der einzige Grund, warum IAG bei der maroden Airline zugreift. Denn der IAG-Ableger British Airways ist der dominante Anbieter in Heathrow und kann diese Position durch die Übernahme von BMI ausbauen. Vor wenigen Jahren wurde den Start- und Landerechten ein Wert von rund 2 Mrd. Euro zugestanden, nun legt Lufthansa sogar Geld drauf, um sie loszuwerden. Da allerdings nicht damit zu rechnen ist, dass BMI auf Sicht die Verlustzone verlassen kann und Lufthansa das Interesse an den Heathrow-Slots verloren hat, ist dieses Ende mit Schrecken allemal besser als der bisherige Schrecken ohne Ende. Auch wenn die Frage erlaubt sein muss, ob Virgin Atlantic, die bei BMI ebenfalls ihren Hut in den Ring geworfen hatte, nicht der bessere Käufer gewesen wäre. Erzrivale British Airways wird durch den Zukauf jedenfalls gestärkt, was nicht im Interesse der Deutschen sein dürfte.

Das zweite Jahr an der Lufthansa-Spitze dürfte für Franz nicht weniger ereignisreich werden. Ein neues Kostensenkungsprogramm hat das Management bereits angekündigt, gleichzeitig wurden erste Gewerkschaftsforderungen nach Lohnzuwächsen laut. Zudem ist der Verlustbringer-Sumpf nicht trockengelegt: Die Tochter Austrian Airlines hat die Rückkehr in die Gewinnzone noch nicht geschafft. Und die Frachtsparte Cargo hat sowohl mit der schwächelnden Konjunktur als auch mit den Querelen bei ihrer China-Beteiligung Jade Cargo zu kämpfen. Ein Schlussstrich bei Jade sollte der nächste Streich von Franz sein.

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