Schweizerische Hirnliga

Forschungspreis 2012 der Schweizerischen Hirnliga: Dem Bewusstsein auf der Spur
Verleihung des Forschungspreises am 12. März in Lausanne

Forschungspreis 2012 der Schweizerischen Hirnliga: Dem Bewusstsein auf der Spur / Verleihung des Forschungspreises am 12. März in Lausanne
Abbildung: Areal des temporo-parietalen Übergangs / Weiterer Text ueber ots und auf http://www.presseportal.ch. Die Verwendung dieses Bildes ist fuer redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung unter Quellenangabe: "obs/Schweiz. Hirnliga".

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Bern (ots) - Die Schweizerische Hirnliga verleiht alle zwei Jahre einen Forschungspreis für ausserordentliche wissenschaftliche Leistungen im Bereich Hirnforschung. Dieses Jahr geht der mit CHF 20'000.- dotierte Preis an die Forscher Lukas Heydrich und Silvio Ionta. Ihre Studie liefert eine Erklärung für ausserkörperliche Erfahrungen. Den Forschern ist es sogar gelungen, bei Versuchspersonen eine Art ausserkörperliche Erfahrungen künstlich herbeizuführen. Mit ihrer Arbeit liefern Lukas Heydrich und Silvio Ionta wichtige Erkenntnisse für die Erforschung des Bewusstseins.

Was ist das Ich? Wie entsteht unsere Selbstwahrnehmung? Und warum empfinden wir unseren Körper als uns zugehörig? Mit Versuchen zu ausserkörperlichen Erfahrungen ist es den Hirnforschern Lukas Heydrich und Silvio Ionta von der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) und dem Universitätsspital Genf gelungen, dem Ich-Bewusstsein auf die Spur zu kommen.

Man schätzt, dass rund fünf Prozent der Bevölkerung schon einmal ausserkörperliche Erfahrungen gemacht haben. «Das kann in verschiedenen Situationen passieren», erklärt Heydrich, «sei es vor dem Einschlafen, bei vollkommener Entspannung, bei einem traumatischen Erlebnis oder nach einer Hirnverletzung.» Dabei berichten die Betroffenen, sie hätten ihren Körper verlassen, seien im Raum geschwebt und hätten sich selbst und das allgemeine Geschehen aus einer Perspektive ausserhalb des Körpers wahrgenommen. In Zusammenarbeit mit Robotik-Experte Roger Gassert von der ETH Zürich haben die Forscher Lukas Heydrich und Silvio Ionta eine Erklärung für dieses rätselhafte Phänomen gefunden:

Die ausserkörperliche Erfahrung steht in Zusammenhang mit Schäden in der Hirnregion zwischen Schläfen- und Scheitellappen, dem sogenannten temporo-parietalen Übergang (siehe beiliegendes Bildmaterial). In dieser Hirnregion werden verschiedene Körpersignale verarbeitet, wie etwa Signale des Tast-, Gleichgewichts- oder Sehsinns. Diese Signale helfen, den eigenen Körper im Raum zu verorten. Die Forscher vermuten zwei Ursachen für ausserkörperliche Erlebnisse: Einerseits wird wegen der Schädigung des temporo-parietalen Übergangs der Körper nicht mehr als zusammengehörige Einheit erlebt. Andererseits kommt es zu einem veränderten Raumerleben aufgrund widersprüchlicher Signale des Gleichgewichts-Sinnes. Treffen beide Störungen zusammen, wähnen Personen sich ausserhalb ihres Körpers.

Durch gezielte Manipulation der verschiedenen Körpersignale ist es Heydrich und Ionta gelungen, eine Art ausserkörperliche Wahrnehmungen bei gesunden Versuchsteilnehmern hervorzurufen. So erreichten sie, dass sich die Testpersonen in einen virtuellen Körper hineinversetzten und den fremden Körper als ihren eignen empfanden. Bei der Hälfte der Versuchspersonen zeigte sich zudem ein Perspektivenwechsel: die Probanden hatten den Eindruck, nach unten zu blicken, obwohl sie auf dem Rücken lagen.

Der Forschungsbeitrag von Lukas Heydrich und Silvio Ionta verdeutlicht das Potential von fachübergreifender Zusammenarbeit zwischen Ingenieuren, Neurologen und kognitiven Neurowissenschaftlern: Auch ein scheinbar abstraktes Konzept wie das Ich-Bewusstsein kann systematisch erforscht werden. Die Untersuchungen von Lukas Heydrich und Silvio Ionta liefern wertvolle Hinweise auf die neuronalen Grundlagen des Ich-Bewusstseins.

Die Verleihung des Forschungspreises findet am Montag, 12. März 2012, um 18:30 Uhr im CHUV in Lausanne, Auditoire César-Roux, statt. Der Preis wird im Rahmen der Woche des Gehirns verliehen. Der Anlass ist öffentlich.

Die schweizerische Hirnforschung gehört zur Weltspitze. Vor diesem Hintergrund haben engagierte Wissenschaftler 1995 die Schweizerische Hirnliga gegründet. Zu ihren wichtigsten Anliegen gehört, die Bevölkerung über Möglichkeiten zur Gesunderhaltung und zum Training des Gehirns zu informieren. Die Schweizerische Hirnliga fördert zudem wichtige For¬schungsprojekte. Für viele Patienten liegt hier die einzige Hoffnung für eine bessere Zukunft.

www.hirnliga.ch

Kontakt:

Lukas Heydrich, MD PhD
Laboratory of Cognitive Neuroscience
Brain Mind Institute
Ecole Polytechnique Federale de Lausanne (EPFL)
1015 Lausanne
Switzerland
Tel.: +41/79/281'58'56

Silvio Ionta, PhD (English only)
Laboratory of Cognitive Neuroscience
Brain Mind Institute
Ecole Polytechnique Federale de Lausanne (EPFL)
1015 Lausanne
Switzerland
Tel.: +41/78/899'42'43

Schweizerische Hirnliga
Prof. Christian W. Hess, Präsident
Tel.: +41/79/350'87'53

Sandra Küttel, Projektverantwortliche
Tel.: +41/79/664'77'87


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