Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Gabriels Freiheit. Kommentar von Miguel Sanches

Essen (ots) - Um ihre Bonität muss die SPD nicht bangen. Ihr "Linkskurs" (CDU) führt in Steuersätze der Helmut-Kohl-Jahre. Das ist alles. Müssten sie heute über eine Koalition verhandeln, dann könnten Schwarze und Rote rascher einschlagen, als es für ihre Wahlwerbung verträglich ist.

Der SPD-Parteitag markiert das Ende der Aufräumarbeiten. Die Wahl 2009 war ein K.o.-Schlag. Wer so schnell wieder aufsteht, verdient Respekt. Der Kraftakt war eine kollektive Leistung, die sich indes mit dem Namen Sigmar Gabriel verbindet, weil er so unverzagt, so voller Power ist.

Das führt zur Kandidaten-Debatte. Wenn er will, könnte SPD-Chef Gabriel - Beispiel Rentenpolitik, Beispiel Abgeltungssteuer - die Sachzwänge herbeiführen, die Steinbrück und Steinmeier eine Kanzlerkandidatur unmöglich machen. Sie identifizieren sich mit der Agenda-Politik, jede Korrektur kratzt an ihrem Image. Gabriel hat sich von Gerhard Schröder freigemacht. Er ist stärker und freier, als es ein Kurt Beck jemals war. Das schließt die Freiheit zum Verzicht ein. Und vermutlich kann ein Team Merkel eher schlagen als ein einzelner Herausforderer.

Wer Duelle will, sollte ins Kino gehen.

Kontakt:

Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de



Weitere Meldungen: Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren: