Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Unsinniges Label-System - Kommentar von Sven Frohwein

Essen (ots) - Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht. Das gilt vor allem für das 1992 eingeführte Energielabel. Die Absicht war klar: Stromfresser sollten klar erkennbar sein, Energieeffizienz sollte verkaufsfördernd wirken. Doch das Label ist überholt. Weil es moderne Geräte mit Effizienzklassen wie A+++ nicht mehr erfasst, weil es in 20 Jahren nicht weiterentwickelt wurde. Und - was noch viel schwerer wiegt - durch ungenaue Regelungen aufgeweicht wurde. Bestes Beispiel dafür ist die neue Kennzeichnungspflicht für Fernseher. Anstatt der Industrie klare Vorgaben zu machen, bei welcher Helligkeit Geräte wie viel Watt verbrauchen dürfen, erlassen die Brüsseler Bürokraten wachsweiche Formulierungen, die den Herstellern zu viel Handlungsspielraum einräumen. Ganze Arbeit hat im Übrigen auch die Automobil-Lobby geleistet. Zwar müssen Neuwagen neuerdings auch ein Energielabel tragen, allerdings kann es vorkommen, dass große Geländewagen dabei besser abschneiden als Kleinwagen, weil Dickschiffe im Verhältnis zu ihrer Größe wenig verbrauchen. Damit wird das Label-System endgültig ad absurdum geführt.

Kontakt:

Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de


Das könnte Sie auch interessieren: