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Das Scheitern der Wutbürger. Kommentar von Dietmar Seher

Essen (ots) - Wir wurden das Opfer einer maßlosen Überschätzung. Die Wutbürger von Stuttgart, deren Protest sich gegen eine "rücksichtslose Betonpolitik" richtete, sind nicht die neue bürgerliche Graswurzel-Mehrheit zwischen Hamburg und München. Selbst in der Südwestecke sind sie eine, wenn auch starke, Minderheit geblieben. Lautstärke hat Argumente nicht ersetzt. Das ist das erste Signal, das die Volksabstimmung über Stuttgart 21 gegeben hat.

Das andere, wichtigere: Die Menschen in dieser Republik wollen keine Zukunftsprojekte blockieren. Sie können unterscheiden zwischen einem strikten Rauchverbot in der Öffentlichkeit, wie es ein Bürgerentscheid in Bayern eindrucksvoll durchgesetzt hat, und den Weichenstellungen hin zu einer besseren und belastbaren Infrastruktur. Ein Nein zur Modernisierung unserer Verkehrswege und Energieanlagen ginge zu Lasten der nächsten Generationen. Die würden nicht nur, schlimm genug, unsere Schuldenberge vorfinden, sondern auch noch unseren Schrott.

Dass die Gegner des neuen Stuttgarter Tiefbahnhofs den Kampf an der Urne verloren haben, bedeutet nicht den Frieden im Ländle, den sich Ministerpräsident Kretschmann erhoffte. Es bedeutet nicht einmal Ruhe in seiner grün-roten Koalition. Aber das bleibt ein regionaler Streit - auszutragen in der Villa Reitzenstein.

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