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Kein Respekt, keine Fairness. Kommentar von Matthias Korfmann

Essen (ots) - Eines gleich vorweg: Wir reden hier über Taschendiebstahl und nicht über schwere Verbrechen. Wir reden hier auch nicht über Menschen, die sozusagen mit dem Hang zum Klauen ausgestattet sind. Niemand kommt als Dieb auf die Welt. Und den kleinen Dieben, von denen hier die Rede ist, geht es in der Regel erheblich schlechter als ihren Opfern. Das entschuldigt ihre Taten nicht, aber es erklärt sie zumindest zum Teil.

Wer beklaut wird, hat den Ärger. Viel Ärger sogar, wenn neben Bargeld auch EC-Karte und persönliche Papiere futsch sind. Wenn die Täter sich ausgerechnet die Schwächsten vornehmen, also ältere Damen und Herren oder Gehbehinderte, dann ist das empörend. Da fehlt jedes Gespür für Anstand, Respekt und Fairness.

Die Polizei ist offenbar nicht machtlos. Wenn sie Präsenz zeigt, wenn sie die Bürger informiert, bleiben die Diebe nicht lange. Es muss aber jeden Ordnungshüter frustrieren, wenn der oder die auf frischer Tat Erwischte praktisch sofort wieder auf Diebestour gehen kann.

Gegen diese Bandenkriminalität gibt es keine schlichten Rezepte. Die einfachsten (rausschmeißen, wegsperren...) sind auch die dümmsten. Das hat noch nie funktioniert. Der Staat muss die Täter zwar mehr unter Druck setzen können, er muss ihnen aber auch den Ausgang zeigen aus dieser Form des Broterwerbs.

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