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Finger weg von der EZB - Kommentar von Thomas Wels

Essen (ots) - Zur Debatte um die ultimative Retterrolle der Europäischen Zentralbank (EZB) ist zunächst festzuhalten: Der letzte Rettungsplan mit dem sagenhaften Volumen von zwei Billionen Euro hat keine vier Wochen gehalten. Verdampft in einer Suppe aus Vertrauensverlust und Handlungsunfähigkeit der Euro-Regierungen. Und nun blasen Spanien, Frankreich oder Großbritannien zum Generalangriff auf die unabhängige Notenbank: Die soll die Notenpresse anwerfen, unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen. Währungshüter, die sich mit der Politik ins Bett legen, behüten keine Währung, sondern die Schuldenpolitik der Regierungen. Wer zig Milliarden in Märkte pumpt, erhöht die Nachfrage nach Gütern und provoziert steigende Preise. Opfer einer Inflationspolitik sind kleine Sparer, deren mickrige Zinsen jetzt schon von der Teuerung mehr als aufgefressen werden. Gewinner sind große Schuldenmacher wie Regierungen, deren Schuldenlast preisbereinigt sinkt. Genau deshalb muss die EZB unabhängig sein. Schon vergessen, dass die politisierte US-Notenbank mit ihrer Nullzins-Politik die erste Finanzkrise ausgelöst hat?

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