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Leipziger Allerlei. Kommentar von Miguel Sanches

Essen (ots) - Am Ende reduzieren sich die zwei Tage in Leipzig auf eine Szene: Wie Peter Hintze dem CDU-Parteitag einen Antrag wieder ausredete, weil dies der "Herzenswunsch" der Chefin sei. Er war nicht der Einzige, der sich klein gemacht hat. Auch der CSU-Chef hauchte ein "Danke, Angela". Bizarr.

Merkels Dominanz ist beneidenswert. Aber sie spricht nicht für die CDU. So uninspiriert darf keine Partei sein. Noch vor wenigen Monaten war man aufgewühlt. Merkel hat mit den Regionalkonferenzen ein Ventil zum Dampf ablassen geöffnet. Gleichzeitig hat sie sich international Respekt verschafft. Auch das hat die CDU mit ihr versöhnt.

Merkel führt anders als ihre männlichen Vorgänger: Nicht auftrumpfend, nicht einschüchternd. Sie ist aber in der Sache unerbittlich. Sie war 2003 kompromisslos für Deregulierung und 2011 für Regulierung. Die CDU fügte sich, ob es um Mindestlöhne ging oder die faktische Aufgabe der Hauptschule. Die Werte, die Merkel für ihre Partei nennt, etwa Freiheit und das christliche Menschenbild, gehören zur europäischen Kultur. Die Frage ist, wofür die CDU originär steht. Sie blieb unbeantwortet: Es war "Leipziger Allerlei", was der Parteitag geboten hat.

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