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Die Justiz und die Mafia. Kommentar von Hayke Lanwert

Essen (ots) - Ein Formfehler! Das kann passieren, nicht nur in Italien, auch in Deutschland. Im Ruhrgebiet wurde unlängst ein Sexualstraftäter freigelassen, für den Sicherungsverwahrung in Aussicht gestellt war, einzig, weil eine Frist versäumt wurde. Und doch kommt man unwillkürlich ins Grübeln, vor allem wenn man die Dimension erahnen kann, mit der die Mafia die italienische Wirtschaft im Griff hat. Wie kann es geschehen, dass mit Antonio Pelle ein zu langer Haft verurteilter Mafioso, eine Führungskraft der 'Ndrangheta, aus der Zelle in ein Krankenhaus verlegt wird und wenig später flüchten kann?

Wie kann es geschehen, dass drei weitere Mafia-Mitglieder sich nicht in Haft befinden, sondern freigelassen werden? Alles nur Formfehler, unglückliche Zufälle? Der italienische Oberstaatsanwalt Gratteri warnt unermüdlich, welche Gefahr die "gigantische Geldwäsche" der 'Ndrangheta für die Demokratie darstellt. Auch in Deutschland, wo die Mafia aus San Luca in Pizzerien in Duisburg, Kassel oder Erfurt ihre Gelder aus dem Kokain-Handel reinwäscht.

Gratteri, aber auch andere verweisen gerne auf die "effizienten Methoden der italienischen Justiz". Abhören. Verdächtige Gelder beschlagnahmen. Eben das, was in Deutschland so einfach nicht geht. Doch das Problem Mafia ist in Italien alles andere als gelöst. Was gerade wieder bewiesen wurde.

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