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Sollen Griechen abstimmen? - Contra. Kommentar von Ulrich Reitz

Essen (ots) - Eins vorweg: Griechenlands Premier Papandreou agiert unseriös. Das Euro-Rettungspaket mit Schuldenschnitt usw. wäre vor einer Woche wohl kaum verabschiedet worden, wenn der Regierungschef verkündet hätte, darüber erst sein Volk zu befragen. Und dann: Seit wann werden die Dinge besser, wenn man das Volk fragt? Vor allem, wenn das Volk ein Zornbürger ist. Sicher: Man kann die Wut der Griechen verstehen. Man hat dem Volk jahrelang Milliarden hinterher geworfen, ohne mitzuteilen, dass es am Ende eine Rechnung gibt. Das ändert aber nichts daran, dass diese Rechnung jetzt bezahlt werden muss. Die Griechen haben also in Wahrheit gar nicht die Wahl. Schließlich: Was will man sie eigentlich fragen? Euro oder Drachme? Jetzt sanieren oder auf Dauer Europas Paria sein? Eine Volksabstimmung in aufgeheizter Situation zu veranstalten, ist verantwortungslos. In Deutschland gäbe es keine Autobahn, keinen Flughafen, wenn Bürger entscheiden dürften. Der sog. Wutbürger tarnt seinen oft biedermeierlichen Egoismus gerne mit dem angeblichen Gemeinwohl. Man darf ihm nicht nationale Schicksalsfragen überlassen.

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