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Fukushima strahlt. Kommentar von Jürgen Polzin

Essen (ots) - Irgendwann in den nächsten Jahren will man einen riesigen Sarkophag über die Atomruine von Tschernobyl schieben. Unter meterdicken Betonmauern soll dann der Unglücksreaktor Schritt für Schritt zerlegt werden. 25 Jahre nach der Katastrophe gibt es noch immer keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viel hoch radioaktives Material im Inneren liegt. Eine Zahl aber wird immer wieder genannt: Die Region ist noch für die nächsten 300 Jahre kontaminiert. Auch Fukushima strahlt. Der Unglücksort verschwand aus den Nachrichten, auch wenn das havarierte Kraftwerk längst nicht unter Kontrolle ist, wie es die japanische Betreiberfirma Tepco immer wieder behauptet. Dass nun in einem Reaktorblock Spuren entdeckt wurden, die auf mögliche frische und unkontrollierte Kernspaltungen hindeuten, wird Fachleute nicht wirklich überraschen. Ein Atomkraftwerk, schon gar nicht ein beschädigtes, knipst man nicht einfach aus wie eine Glühbirne. Das nukleare Feuer in Fukushima ist nicht gelöscht, die Kernspaltungen setzen sich offenbar fort. In der Ruine wird noch immer mit allen Mitteln versucht, atomare Reaktionen zu verhindern. Alltag einer fast vergessenen Katastrophe.

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