Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Der richtige Ansatz - Kommentar von Stefan Schulte

Essen (ots) - Das hätte was: Ausgerechnet die konservativ-liberale Koalition schickt sich an, einen bundesweiten Mindestlohn einzuführen. Dabei macht der CDU-Sozialflügel vieles richtig, etwa die Einbeziehung der Tarifpartner. Dürfte der Bundestag über den Mindestlohn entscheiden, gäbe es keinen Wahlkampf mehr ohne Überbietungs-Wettlauf um den höchsten Mindestlohn. Dann würde er wirklich Jobs in Massen kosten. Eine Untergrenze um die acht Euro hätte auf die meisten Branchen keine Auswirkungen. Selbst in klassischen Niedriglohnbranchen wie der Gebäudereinigung und den Wachdiensten wird mittlerweile mehr gezahlt. Und ihre Branchen-Mindestlöhne haben keine Jobs vernichtet. Ein Mindestlohn für alle beträfe vor allem typische Frauenberufe. Friseurinnen, Kassiererinnen und Küchenhilfen sind zu schwach organisiert, um bessere Löhne zu erstreiten. Sie werden aber gebraucht und deshalb auch nicht in Massen entlassen. Doch natürlich geraten dort Stellen in Gefahr, wo der Chef die steigenden Löhne nicht durch höhere Preise reinholen kann. Letztlich entscheidet der Kunde, ob seine Friseurin ihm auch drei Euro mehr wert ist.

Kontakt:

Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de


Das könnte Sie auch interessieren: