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Diesen Tätern ist nichts heilig - Kommentar von Wilfried Goebels

Essen (ots) - Friedhöfe sind Orte des Friedens und der letzten Ruhe. Grabräuber verursachen nicht nur materiellen Schaden, sondern begehen auch einen Tabubruch, weil sie das Pietätsgefühl der Menschen bewusst verletzen. Erschwerend kommt hinzu, dass vor allem ältere Menschen betroffen sind, für die die Pflege des Grabes das Letzte ist, was sie für ihre Verstorbenen tun können. Zweifel sind angebracht, ob mit härteren Strafen das Unwesen auf den Friedhöfen beendet werden kann. Die Plünderer haben jeden Anstand verloren. Das Risiko, auf Friedhöfen erwischt zu werden, ist gering. Da wird ein höheres Strafmaß Grabräuber kaum abschrecken. Am Ende wird nichts anderes übrig bleiben, als die letzten Ruhestätten wie die Kirchen vor Räubern und Vandalismus besser zu sichern. Die zeitweise Sperrung von Friedhöfen wäre ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft. Aber wo liegt die Alternative, wenn gierigen Tätern nichts heilig ist? Der schwindende Respekt vor dem Mitmenschen erreicht mit dem Grabraub eine neue Qualität. Die zunehmende Verwüstung von Parks, Haltestellen und Bussen kostet die Städte Millionen. Dass Täter aber für ein paar Euro vom Schrotthändler den Respekt vor der Trauer der Angehörigen verlieren, muss erschüttern.

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