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Nicht kapitulieren. Kommentar von Dirk Graalmann

Essen (ots) - Hooligans, Pyrotechnik, Faschos, Böller, Ultras. Die Begriffe purzeln wahllos umher, zurück bleibt bei den meisten nur das dumpfe Gefühl: Es braut sich etwas zusammen im Fußball, die Kickerei droht womöglich vor der Gewalt zu kapitulieren. Die Zweite Liga, warnte der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft schon vor Saisonbeginn, werde "zur Chaos-Liga". Mit harschen Worten und häufig benutztem Superlativ wird gerade eine Endzeit-Stimmung beschworen.

Die Randale von Dortmund ist schlimm. Gewalt gegen Menschen wie Sachen ist überall und jederzeit inakzeptabel, eine rigide Bestrafung der Täter - wie mit Stadionverboten üblich - zwingend erforderlich. Doch mit einem ist niemandem gedient: mit Panikmache, die jeden Stadion-Besuch zum unkalkulierbaren Lebensrisiko stilisiert.

In der jüngsten Saison besuchten mehr als 18 Millionen Menschen die Spiele der 1. und 2. Liga. Dabei gab es 846 Verletzte, umgerechnet 0,0047 Prozent. Jeder Einzelne ist einer zu viel. Aber es gilt, nicht nur eingedenk der krawalligen Zeiten Anfang der 80er: Man darf vor Gewalt im Schatten des Fußballs nicht die Augen verschließen. Aber es wäre fatal, sie ins Rampenlicht zu rücken.

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